Wirtschaft : Großaktionäre beenden überraschend die Zusammenarbeit / Was bleibt vom Lifestyle-Konzern?

lip / HB

Der neue Aufsichtsrat der börsennotierten Hamburger Wünsche AG (Marken: Joop, Cinque) hat sich überraschend von dem Vorstandsvorsitzenden, Peter Littmann, getrennt. Er zog damit die Konsequenzen aus umstrittenen strategischen Entscheidungen des früheren Vorstandschefs der Metzinger Hugo Boss AG. Littmann wollte aus der Hamburger Textilfirma einen internationalen Life-Style-Konzern schmieden. Der Kurs der Wünsche AG brach am Montag in Hamburg um weitere zehn Prozent ein. Seit Littmanns Amtsantritt im August 1997 hat die im Smax-Index vertretene Wünsche-Aktie nach einem kurzfristigen Höhenflug rund 60 Prozent ihres Wertes verloren.

Nach Handelsblatt-Informationen soll der frühere Finanzvorstand der Reemtsma Cigarettenfabriken, Peter H. Miebach, den Vorstandsvorsitz bei Wünsche übernehmen. Miebach war erst vor einigen Monaten von dem Reemtsma-Aufsichtsratschef Günter Herz fristlos entlassen worden, weil er sich nicht an die Vorstandsvorgaben gehalten hatte.

Unklar ist, ob sich Littmann von seinen Anteilen an der Wünsche AG trennt. Er hatte eine Option auf bis zu zehn Prozent der Aktien. Die Option läuft Ende des Jahres aus. Dem Vernehmen nach soll Littmann bereits mehr als fünf Prozent der Aktien erworben haben. Die Managementqualitäten von Littmann waren in den vergangenen Monaten immer häufiger von den Großaktionären bezweifelt worden. So wurde Littmann als Aufsichtsratschef auch für den Konkurs der Modegruppe Mondi aus München verantwortlich gemacht. Dies habe im Wünsche-Aufsichtsrat den Ausschlag für seinen Rausschmiss gegeben, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Im Zuge der Neubesetzung des Vorstands soll aus dem genehmigten Kapital eine Kapitalerhöhung erfolgen, die der Textilfirma rund 90 Millionen DM neue Eigenmittel zuführen soll.

Eine Gruppe von Großaktionären habe bereits die vollständige Platzierung garantiert. Damit soll vor allem die internationale Expansion der Modemarke Joop vorangetrieben werden, heißt es. Littmann hatte dafür deutlich weniger Mittel veranschlagt. An der Joop GmbH ist die Wünsche AG mit 95 Prozent beteiligt ist. Der Wünsche-Konzern soll ferner in Ventana AG umbenannt werden. Der Umsatz im Konzern sank im ersten Halbjahr auf 242,1 (374,6) Millionen DM. Der Überschuss stieg auf 1,8 Millionen DM.

Noch Mitte Februar diesen Jahres hatte der Wünsche-Grossaktionär Albert Büll, der zusammen mit Hamburger und Flensburger Investoren mehr als 30 Prozent der Wünsche- Anteile besitzt, vehement gegenüber dem Handelsblatt eine Trennung von Littmann dementiert. Der einstige Vorzeigemanager der deutschen Bekleidungsindustrie wollte durch geschickte Akquisitionen aus der Wünsche AG eine international renommierte Modefirma nach dem Vorbild seines ehemaligen Metzinger Arbeitgebers schmieden. Kernstück sollte hierbei die Nobel-Marke des Hamburger Designers Wolfgang Joop sein.

Mit dem Erwerb der Joop-Anteile löste Littmann, der für seine Vorstandstätigkeit nach Informationen des Handelsblatts mit 3,6 Millionen DM fürstlich entlohnt wird, zunächst Ende 1997 an der Börse ein Kursfeuerwerk aus. Doch die Littmann-Euphorie schlug bald in Ernüchterung um.

So misslang dem Vorstandschef vor allem die Sanierung der börsennotierten Jean Pascale AG. Als letzte Konsequenz musste Littmann die Billigmarke an die European Cosmetics Group veräußern, die Holdinggesellschaft der Düsseldorfer Marbert AG. Eher halbherzig trieb Littmann auch den Verkauf der restlichen Aktientranche an der Bau-Verein zu Hamburg voran.

Er benötigte jedoch dringend den Verkaufserlös, um die Bilanzrelationen wieder ins Lot zu rücken. Denn um die finanziellen Schäden aus der Ära des einstigen Vorstandschefs Kai Wünsche zu bereinigen, hatte Littmann seine bilanziellen Aufräumarbeiten deutlich übertrieben.

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