Großbritannien : Von Patriotismus keine Spur

Selbst ihre Fußballklubs schützen die Briten nicht vor Übernahmen aus dem Ausland. Der FC Chelsea, Manchester United, Manchester City: Sie alle sind längst in russischen, amerikanischen oder asiatischen Händen. Großbritannien setzt quer durch die Branchen auf ausländische Investoren. Von wirtschaftlichem Patriotismus keine Spur. „Zwischen Industriepolitik und Wettbewerbspolitik haben sich britische Regierungen seit den Achtzigerjahren immer für den Wettbewerb entschieden“, sagt Stephen Woolcock, Experte für internationalen Handel und Investitionspolitik an der London School of Economics (LSE). Gerade habe die Regierung des neuen Premierministers Gordon Brown bekräftigt, dass man auch gegen chinesische Investoren nichts unternehmen werde. Und bei den Versorgern seien ausgerechnet die Franzosen im britischen Markt stark vertreten.

Was Margaret Thatcher als Regierungschefin begann, setzten sowohl ihr konservativer Parteifreund John Major als auch Tony Blair und Gordon Brown mit New Labour fort: Privatisierung, Verkauf an den Meistbietenden. „Die Regierungen sehen ihre Aufgabe darin, Investoren anzulocken und ihnen mit einer möglichst guten Infrastruktur zu helfen“, sagt Stephen Woolcock. Von der Hege und Pflege sogenannter nationaler Champions, die auf dem Weltmarkt vermeintlich besser dastehen, hätten sich die Briten verabschiedet.

Der Wirtschaftswissenschaftler nennt drei Gründe dafür, dass sich dieser Konsens auf der Insel durchgesetzt hat: die liberale britische Tradition, die Erkenntnis, dass Regierungen im Management von Unternehmen ineffizient handeln, und die Strategie, in der globalisierten Wirtschaft vor allem durch die Anwerbung ausländischen Kapitals bestehen zu können. mah

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