Wirtschaft : Großfusion von Versicherern geplatzt

MÜNCHEN/COBURG (tmh/Tsp). Die Fusion zwischen den Assekuranz-Gruppen HUK-Coburg und dem Hannoveraner Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) zum drittgrößten Versicherer Deutschlands ist überraschend geplatzt. Die Versammlung der HUK-Mitgliedervertreter habe bei einem Treffen am Wochendende den schon weit gediehenen Plänen nicht zugestimmt, teilte die HUK jetzt in Coburg mit. Die HUK wolle sich nun auf ihre eigenen Stärken besinnen und könne auch allein sehr erfolgreich sein, erklärte ein Sprecher.Dem Eindruck, daß dieses Veto zur Fusion überraschend gekommen ist, trat er im Gegensatz zu Branchenkennern entgegen. Die Ausdehnung der HUK auf neue Geschäftsfelder wie Rück- und Industrieversicherung, in denen der HDI seine Stärken besitzt, sei als "nicht so entscheidend" beurteilt worden. Eine Rolle hätte auch die Unsicherheit über Bonner Besteuerungspläne für Lebensversicherungen gespielt, ergänzte der HUK-Sprecher. Eine Stärkung dieses Geschäftsfelds zusammen mit dem HDI sei den Mitgliedervertretern als nicht mehr vorrangig erschienen. Da die urspünglich beabsichtigte Fusion nicht aus einer Positition der Schwäche heraus angegangen worden war, sieht die HUK für beide nun weiter allein operierenden Gruppen keine Probleme am Markt.Die nun gescheiterte Fusion war unter anderem mit einer guten Ergänzung von Versicherungsangeboten und Vertriebswegen begründet worden. Die darin liegenden Chancen seien zwar von den HUK-Mitgliedervertretern zunächst gesehen worden. Sie hätten aber Mitte Mai nur ihre Zustimmung gegeben, diese Pläne weiter zu verfolgen und sich eine endgültige Entscheidung stets vorbehalten. Die HUK gehe davon aus, daß die guten Beziehungen zwischen beiden Häusern vom Scheitern der Fusion nicht beeinträchtigt werden.HDI-Sprecher, Thomas von Mallinckrodt, zeigte sich hingegen überrascht von der Entscheidung der HUK-Vertreter. Die HDI werde nun den beabsichtigten großen Sprung in den nächsten Jahren in kleineren Schritten alleine gehen. Der HDI habe nicht aus einer Position der Schwäche heraus verhandelt. Größe allein sei nicht das Ziel der Fusion gewesen. Eine Konzentration der Kräfte hätte jedoch "in einem von der Bildung immer größerer Einheiten geprägten Versicherungsmarkt" Vorteile für beide Seiten gehabt. Ein Ziel der gescheiterten Fusion sei es gewesen, im Wettbewerb noch attraktiver zu werden. So sollten Einsparungen durch Synergien an die Kunden weitergegeben werden, betonte Mallinckrodt. Diese geplanten Tarifsenkungen werde es nun vorerst nicht geben. Der Tagesordnungspunkt "Fusion" sei nun für die Mitgliederversammlung der HDI am 21. Juli gestrichen worden.Erst Mitte Mai hatten beide Partner ihre Verschmelzung im Rahmen einer Übernahme des HDI durch die HUK bekanntgegeben. Mit einem gemeinsamen Beitragsaufkommen von 23,5 Mrd. DM und rund 12 000 Mitarbeitern hätte sich der neue Riese als Nummer drei hinter Allianz und Ergo am deutschen Markt positioniert. Die Aufsichtsräte beider Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit hatten der Fusion bereits zugestimmt. Die Versicherungskonzerne wollten unter dem neuen Namen Vion VVaG firmieren. Der Konzern mit Hauptstandort im fränkischen Coburg hätte im September sein Geschäft aufnehmen sollen; der HDI sollte seine eigenen Geschäfte indes weiter von seinem Sitz in Hannover aus führen. Coburg hätte sich auf das Privatkundengeschäft und Hannover auf das Firmenkunden- und Belegschaftsgeschäft konzentrieren sollen. Um den Sitz des Unternehmens hatte es zuvor erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Niedersachsen gegeben.Im ersten Halbjahr konnte die HUK ihre Beitragseinnahmen um 2,6 Prozent auf 4,11 Mrd. DM steigern. Das größte Wachstum erzielte dabei die Krankenversicherung mit einem Plus von 12,6 Prozent auf 258,6 Mill. DM. Die HUK-Coburg-Leben verbesserte die Beitragseinnahmen um 11,5 Prozent auf 489,8 Mill. DM. Der größte Bereich, die Kraftfahrzeugversicherung, legte nach zuletzt rückläufigen Beiträgen leicht um 0,6 Prozent auf 2,88 Mrd. DM zu.

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