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Großrazzia : Commerzbank-Kunden sollen Millionen Euro hinterzogen haben

Der deutschen Finanzbranche droht ein neuer Steuerbetrugsskandal: Fahnder haben am Dienstag dutzende Filialen der Commerzbank durchsucht. Im Fokus steht ein italienischer Lebensversicherer, der mit dem Institut zusammenarbeitet

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt a.M.
Zentrale der Commerzbank in Frankfurt a.M.Foto: dpa

Wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung einzelner Personen seien am Montag Geschäftsräume des Instituts durchsucht worden, erklärte die Commerzbank am Dienstag. “Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Bank, sondern gegen einzelne Mitarbeiter eines anderen Finanzdienstleisters“, erklärte Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus. “Die Commerzbank kooperiert selbstverständlich vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden.“

Laut “Handelsblatt“ geht es bei den Ermittlungen um Lebensversicherungen aus dem Haus eines italienischen Versicherungskonzerns, mit dem die Commerzbank zusammenarbeitet. Die Fahnder gingen dem Verdacht nach, dass Kunden mit Hilfe von sogenannten Lebensversicherungsmänteln Steuern “in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro“ hinterzogen hätten.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen Recherchen des Handelsblatts zufolge durch Unregelmäßigkeiten bei einer Steuererklärung im September 2013 in Nordrhein-Westfalen, die einen Verdacht bei der Generali Tochter Generali Pan Europe Limited mit Sitz in Irland aufkommen ließ.

Auch die Zentrale in Frankfurt wurde durchsucht

270 Beamte der Bochumer und Düsseldorfer Steuerfahndung würden deshalb rund 40 Standorte der Commerzbank durchsuchen, darunter auch die Zentrale in der Frankfurter Innenstadt. Die Commerzbank wollte sich zu den Details nicht äußern.

Staatsanwaltschaft: Commerzbank führt verdächtige Depots

Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft Bochum zu dem Vorgang geäußert. Es bestehe der Verdacht, dass ein ausländischer Lebensversicherer deutschen Anlegern seit 2006 in mehr als zweihundert Fällen Beihilfe zur Hinterziehung von Einkommensteuer geleistet habe, erklärte die auf die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft Bochum am Dienstag. Zur Aufklärung des Sachverhalts würden die Konzernzentrale und ausgewählte Niederlassungen einer deutschen Großbank durchsucht. Dabei handelt es sich um die Commerzbank, wie bereits oben erwähnt. Bei dieser Bank seien die Depots zu den fraglichen Lebensversicherungsverträgen geführt und verwaltet worden, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Verschleierte Vermögensverwaltungsverträge

Die Versicherung habe mit deutschen Kunden Lebensversicherungsverträge abgeschlossen, die nach außen hin als steuerprivilegierte Lebensversicherungen aufgemacht waren, in Wirklichkeit aber verschleierte Vermögensverwaltungsverträge darstellten, erklärte die Behörde. “Auf diese Weise sollte den betreffenden Kunden ermöglicht werden, daraus erwirtschaftete Kapitalerträge nicht zu versteuern.“ (Reuters/Tsp)

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