Wirtschaft : Hängepartie in der Commerzbank Arbeitnehmer gegen kleineren Vorstand

Yasmin Osman

Frankfurt am Main - Es war eine Niederlage mit Ansage: Die Abberufung von zwei Commerzbank-Vorständen ist in der ersten Runde am Widerstand der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gescheitert. Für die von Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller vorgeschlagene Abberufung der Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber habe es deshalb nicht die nötige Zweidrittelmehrheit gegeben, hieß es in Finanzkreisen. Die Bank äußerte sich nicht zu der Abstimmungsniederlage.

Eigentlich wollten Müller und Commerzbank-Chef Martin Blessing mit der Verkleinerung des Vorstands demonstrieren, dass auch das Top-Management Opfer für den Sparkurs bringen muss. Aber das Gezerre um die Abberufung schwächt nun die ohnehin beschädigte Autorität von Aufsichtsrats- und Vorstandschef weiter. Nun wird es wohl auf der Sitzung am 6. November zu weiteren Kampfabstimmungen kommen, bei denen Müller mit seinem Doppelstimmrecht eine Entscheidung erzwingen kann.

Für Müller ist es schon ein Erfolg, dass zumindest die Kapitalseite geschlossen mit ihm stimmte. Denn die Entlassung der zwei Manager gilt juristisch als heikel. Sollten die beiden dagegen klagen, was als sehr wahrscheinlich gilt, könnte ihre Abfindung höher als die sonst fälligen zwei Jahresgehälter ausfallen. Geht ein Aufsichtsrat dieses Risiko sehenden Auges ein, riskiert er Schadenersatzklagen. Dem hat Müller vorgebeugt: Er legte zwei Rechtsgutachten vor, die seine Position stützen – und die Aufsichtsräte so vor Klagen schützen.

Ursprünglich wollte Commerzbank-Chef Martin Blessing mit der Verkleinerung des Vorstands ein positives Signal aussenden: Die Bank spart nicht nur bei Mitarbeitern, sondern auch in der Führung. Das ist gründlich missglückt. Viele Mitarbeiter verunsichert die harte Gangart. Dass ein Kompromiss gefunden wird, ist unwahrscheinlich. Einer freiwilligen Vereinbarung müsste der Bund zustimmen.Yasmin Osman (HB)

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