Wirtschaft : Hagenuk kann weiter produzieren

Schleswig-Holstein verbürgt Betriebsmittelkredit / Dezembergehälter garantiert

KIEL/BERLIN(mot).Der Telefonhersteller Hagenuk kann im kommenden Jahr in den Werken in Kiel und Berlin wieder produzieren.Das finanziell angeschlagene Unternehmen habe einen Massekredit über 20 Mill.DM erhalten, teilte der Vergleichsverwalter der Hagenuk Telekom GmbH, Hans-Jürgen Beil, am Mittwoch nach einer Betriebsversammlung in Kiel mit.Nach Gesprächen mit vier Gläubigerbanken und dem Land Schleswig-Holstein sei am vergangenen Montag "innerhalb von 48 Stunden" grünes Licht für den Betriebsmittelkredit gegeben worden, sagte Hagenuk-Sprecherin Marion Menken auf Anfrage.Damit könnten nun neue Teile gekauft werden.Nach der Betriebspause über Weihnachten soll die Produktion in Kiel und Berlin dann am 5.Januar wieder anlaufen.An der Spree sind rund 300 Mitarbeiter der Firma beschäftigt, weitere 1000 Hagenuk-Arbeitsplätze sind in Kiel angesiedelt. Auch die Dezembergehälter für alle 1300 Beschäftigte würden in vollem Umfang gezahlt, sagte Vergleichsverwalter Beil weiter.Eine laufender Geschäftsbetrieb ist nach seinen Angaben für mögliche Investoren sehr wichtig.Auch die Patente des Unternehmens stünden weiterhin zur Verfügung.Über den Inhalt seiner Verhandlungen mit Übernahmeinteressenten machte Beil keine Angaben.Den 20-Mill.-DM-Kredit bewertete er nicht als Rettung, aber als großen Schritt in dem laufenden Vergleichsverfahren.Der Sequester gab sich optimistisch, daß ein Vergleich möglich sei. Nach Angaben des Kieler Wirtschaftsministeriums ist Hagenuk mit den vereinbarten 20 Mill.DM zunächst bis Ende Februar 1998 gerettet.Wirtschaftminister Peer Steinbrück zeigte sich zuversichtlich, daß bis dahin eine dauerhafte Auffanglösung für das Unternehmen gefunden werde.Hagenuk hatte Anfang Dezember Vergleich ankündigt.Das Land Schleswig-Holstein habe durch seine Bürgschaftshilfe erhebliche Rückendeckung für das Unternehmen leisten müssen, teilte Steinbrück weiter mit.Er hoffe, daß sich nun auch Berlin für Hagenuk einsetze."Ich erwarte, daß das Land Berlin im Interesse der dortigen Mitarbeiter uns unterstützt." Wolfgang Branoner, Staatssektretär in der Berliner Wirtschaftverwaltung, sagte dem Tagesspiegel, er stehe in Verhandlungen mit dem Kieler Wirtschaftsminister über eine Rückbürgschaft des Landes Berlin für einen Teil (2,5 Mill.DM) des von der Kieler Landesregierung verbürgten Kredits.Über Voraussetzungen dafür wollen Berliner Wirtschafts- und Finanzverwaltung heute verhandeln. Zu den Vorwürfen der Berliner IG Metall, Hagenuk habe offenbar Geld aus dem von der AEG Mobile Communication (AMC) übernommenen Werk abgezogen und damit eigene Löcher gestopft, sagte Sequester Beil: "Es gab nur eine Kasse bei Hagenuk.Das Geld ist weg." In Kiel verstärkten sich am Mittwoch die Vorwürfe gegen den ehemaligen Hagenuk-Hauptgesellschafter und Geschäftsführer Manfred Schmitt.Der IG-Metall-Bevollmächtigte Wolfgang Mädel machte Schmitt für die desolate Finanzlage des Unternehmens persönlich verantwortlich.Auch Beil räumte ein, daß "da einiges erklärungsbedürftig ist.Wir werden mit dem Herrn (Schmitt) noch ein ernstes oder mehrere Gespräche führen". Positiv reagierte der Betriebsrat auf den 20 Mill.DM-Kredit.Man könne nun "verhalten optimistisch in die Weihnachtszeit gehen", hieß es in der Kieler Zentrale.Im Januar werde der Produktionsstart zu "neuer Dynamik" verhelfen.An diesem Donnerstag wird die Berliner Belegschaft in Moabit auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung über die Zukunft des Produktionsstandortes informiert.

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