Halbjahresbilanz : Bahn: 35.000 Güterwaggons stehen leer

Die Bahn leidet unter der Wirtschaftskrise. Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube will sein erstes Jahr an der Spitze des Konzerns aber trotzdem auf jeden Fall mit einem Gewinn abschließen.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Eine konkrete Prognose wagte der seit 112 Tagen amtierende Nachfolger von Hartmut Mehdorn bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Donnerstag in Frankfurt am Main nicht. In den ersten sechs Monaten brach der Betriebsgewinn der Bahn vor allem wegen drastischer Einbußen im Güterverkehr um 53 Prozent auf 671 Millionen Euro ein, der Nettogewinn verringerte sich um 40 Prozent auf 547 Millionen Euro, der Umsatz um 14 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro.

Grube will sich mit einem Sparkurs gegen die Krise stemmen. Bis 2013 soll das Betriebsergebnis um zwei Milliarden Euro verbessert werden. Dazu sollen auch Preissteigerungen beitragen, offenbar auch wieder zum Fahrplanwechsel im Dezember. Wie hoch der Aufschlag diesmal ausfällt, wollte Grube nicht sagen. „Es gibt noch keine Entscheidung.“ Im Dezember 2008 waren die Bahn-Preise im Schnitt um 3,9 Prozent gestiegen.

Grube ließ ebenfalls offen, ob sich sein Sparkurs auch in einem Abbau von Arbeitsplätzen oder gar in Entlassungen niederschlägt. Ende Juni beschäftigte die Bahn konzernweit 236 800 Mitarbeiter, rund 3200 weniger als ein Jahr zuvor. 200 Millionen Euro sollen durch die Verschlankung der Zentrale in Berlin gespart werden, unter anderem fällt die Ebene der Generalbevollmächtigten komplett weg.

Nach Ansicht des Bahn-Chefs wird die Bahn die Umsätze von 2007 und 2008 frühestens wieder in vier Jahren erreichen. Extrem sind die Probleme in den Güterverkehrssparten Schenker Rail und Schenker Logistics. Rail musste mit minus 121 Millionen Euro im ersten Halbjahr als einzige Sparte sogar einen Verlust verkraften. 35 000 Güterwaggons stehen derzeit nach Angaben von Grube auf dem Abstellgleis. Der Umsatz im Güterverkehr sackte um rund 25 Prozent auf gut 7,2 Milliarden Euro zusammen.

Dagegen konnte das Geschäft im Personenverkehr stabil gehalten werden. Die Zahl der Fahrgäste stieg sogar um 1,8 Prozent auf 958 Millionen. Der Betriebsgewinn lag bei 567 Millionen Euro, wobei im ICE- und IC-Verkehr ein Drittel weniger verdient wurde. Insgesamt wurde der Gewinn der Bahn in den ersten sechs Monaten vor allem durch höhere Energie- und Personalkosten, aber auch durch die Probleme mit den Rädern des ICE sowie durch die Schwierigkeiten bei der S-Bahn Berlin gedrückt. 

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