Halbjahreszahlen : Schaeffler: Auf dem Schuldenberg

Schaeffler ächzt wegen Conti: Ohne den Einmaleffekt hätte Schaeffler im ersten Halbjahr immerhin einen Gewinn von 136 Millionen erreicht. Dennoch ist die Zukunft des Familienunternehmens nicht geklärt.

Moritz Baumstieger
Premiere. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger, aufgenommen durch ein Kugellager, legte erstmals Zahlen der Gruppe vor. Foto: dpa
Premiere. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger, aufgenommen durch ein Kugellager, legte erstmals Zahlen der Gruppe vor. Foto: dpaFoto: dpa

München - Bevor Jürgen Geißinger zum ersten Mal Aufschluss über den Zustand der von ihm geführten Schaeffler-Gruppe gibt, fährt er einen Image-Film ab. „Was bewegt die Welt?“, wird da gefragt. Natürlich Teile aus dem Hause Schaeffler, eingebaut in Autos, Flugzeuge und Industrieanlagen. Am Mittwoch präsentierte Geißinger erstmals Zahlen des bislang so verschlossenen Familienkonzerns. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 31 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Und das operative Ergebnis von 739 (Vorjahr: minus 625) Millionen Euro wäre eine absolute Erfolgsmeldung, würde es nicht von der schweren Zinslast und einem dreistelligen Millionenverlust bei dem Anfang 2009 geschluckten Partner Continental aufgezehrt. Schaeffler beschäftigt weltweit rund 64 000 Menschen, Continental mit 143 000 mehr als das Doppelte.

Ohne den Einmaleffekt bei Conti hätte Schaeffler im ersten Halbjahr immerhin einen Gewinn von 136 Millionen erreicht. Dennoch ist die Zukunft des Familienunternehmens nicht geklärt. Das liegt an den Kosten der Conti-Übernahme. Beinahe über Nacht saß Schaeffler Anfang letzten Jahres auf einem Schuldenberg von fast zwölf Milliarden Euro, weil im Zuge der Finanzkrise 90 Prozent der Conti-Aktionäre ihre Aktien verkaufen wollten und eben nicht nur die angestrebten 50 Prozent. Um künftig an Gelder von Investoren zu kommen, hatte sich Schaeffler in diesem Jahr in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt und im Zuge dieser Veränderung auch die Schulden auf GmbH und Holding verteilt. Die neue Schaeffler-Gruppe, die als GmbH firmiert, vereint die Marken LUK, INA und FAG unter ihrem Dach und hält rund 42 Prozent an Continental. Die übrigen Conti-Anteile liegen über ein Bankenkonstrukt bei der Schaeffler-Holding.

Der Schuldenstand steht nun offenbar einem Zusammenschluss entgegen, weil die neue Gesellschaft für fünf Jahre die Schulden aller Partner bedienen müsste. So müssten die Gläubigerbanken und übrigen Aktionäre von Conti auch für die Verbindlichkeiten der Familie Schaeffler haften, die die operative GmbH durch die Holding kontrolliert. Holding und GmbH kommen heute zusammen auf rund 10,9 Milliarden Euro Schulden.

„Unser Fokus liegt auf dem schrittweisen Schuldenabbau und einem Ausbau des operativen Geschäfts“, sagte Geißinger am Mittwoch. Das ist ihm wichtiger, als über Fusionspläne zu reden. „Natürlich streben wir den Zusammenschluss weiterhin an“, sagte er auf Nachfragen. Ein Datum will er nicht nennen. Angeblich beschäftigen sich Firma und Familie derzeit nicht mit konkreten Plänen. Vor der Fusion sollen die Verbindlichkeiten der Schaeffler GmbH mit den selbst erwirtschafteten Erträgen abgebaut werden - einen Interessenkonflikt mit der für den eigenen Schuldenabbau auf eine Dividende der GmbH angewiesenen Holding sieht Geißinger nicht.

Die neue Transparenz mag für Schaeffler ein Kulturwechsel sein – sie geht aber nicht so weit, dass man auch Einsicht in die Bücher der Familie geben würde: Kein Kommentar zu einer Ausschüttung an die Familie Schaeffler, kein Wort zur Finanzstruktur der Holding. Und somit auch kein Wort dazu, wie es um die Zukunft von Schaeffler und Conti steht.

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