Wirtschaft : Hamburger Hafen – das Feld lichtet sich

Der Verkauf der Containerumschlagfirma HHLA geht in die Schlussphase – die Bahn hat gute Chancen

Carsten Brönstrup

Berlin - Bei der Teilprivatisierung der Hamburger Hafengesellschaft HHLA rückt eine Entscheidung näher. Man habe den Kreis der möglichen Bieter von ursprünglich mehreren Dutzend stark eingeengt, sagte ein Sprecher der Hamburger Finanzbehörde. Neben der Deutschen Bahn sind auch Finanzinvestoren mit von der Partie, wie der Tagesspiegel am Montag erfuhr. Ein kleiner Kreis von Firmen bekommt nun Einblick in sensible Finanzdaten der HHLA, um dann ein konkretes Angebot abgeben zu können. Noch im Januar wolle eine Gruppe von Spitzenpolitikern der Hansestadt eine Vorentscheidung fällen, hieß es weiter.

Die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) ist im Containerumschlag der Hansestadt aktiv. Angesichts der Globalisierung boomt der Seehandel seit Jahren. Die HHLA wickelt zwei Drittel des Hamburger Containerumschlags ab. Nun sind Investitionen nötig – die die verschuldete Stadt aber nicht aufbringen kann. Deshalb sollen bis zu 49,9 Prozent an der HHLA, die zuletzt knapp 100 Millionen Euro Gewinn erzielte, verkauft werden. Ein Investor soll 1,2 Milliarden Euro bis 2015 in den Ausbau der Terminals stecken, verlangt die Stadt. „Die HHLA ist eine Perle“, warb der Sprecher der Finanzbehörde.

Zu den Interessenten gehört die australische Bank Macquarie. „Dass wir da mitbieten, ist klar“, hieß es in Unternehmenskreisen. Macquarie ist bereits im Danziger Hafen als Betreiber aktiv. Auch die Bahn hat Interesse bekundet, wollte sich am Montag aber nicht weiter äußern. Vor einem Jahr war bereits ein Einstieg der Bahn bei der HHLA im Gespräch gewesen. Im Gegenzug hatte der Staatskonzern seine Zentrale an die Elbe verlegen sollen. Nach Protesten aus der Berliner Politik hatte der Bund den Plan gestoppt. Vom Tisch ist es aber noch nicht. „Wenn die Bahn ihre Logistiksparte nach Hamburg verlegen würde, würde das ihre Chancen natürlich beträchtlich steigern“, sagte ein hochrangiger Hamburger CDU-Politiker.

Zum Kreis der Interessenten, denen gute Aussichten eingeräumt werden, gehören auch eine Tochterfirma des Baukonzerns Hochtief, der Finanzkonzern Allianz und der britische Investor 3i. Auch der Dubaier Hafenbetreiber DP World hat sein Interesse bekundet. In der Ausschreibung hatte die Hansestadt auch verlangt, ein Investor solle langfristig orientiert sein – dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Finanzinvestoren geringere Chancen haben. Die rund 4000 HHLA-Beschäftigten hatten mehrfach mit Demonstrationen vor einem Verkauf des Unternehmens gewarnt – sie fürchten, ihre Arbeitsplätze könnten unsicherer werden.

Derweil sehen die Seehafenbetreiber das Interesse der Bahn skeptisch. Eine Beteiligung der Bahn würde zu großen Irritationen bei den Reedern führen, sagte Detthold Aden, Chef der Bremer BLG Logistics Group und Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe, dem Handelsblatt. Denn die Bahnsparte Schenker sei eine Konkurrentin der Spediteure. Die Bahn sei zwar ein „geschätzter Partner“, doch zusätzlichen Güterumschlag könne sie mit der Beteiligung am Hafenumschlag nicht erzeugen und den Häfen kein Zusatzgeschäft bringen.

Auch ein anderes Hamburger Unternehmen sucht einen Investor. Der Nahverkehrsbetreiber Hamburger Hochbahn will sich die Mittel für seine Expansion außerhalb der Hansestadt beschaffen. Dazu fasst das zweitgrößte Nahverkehrsunternehmen Deutschlands seine Beteiligungen in einer Holding zusammen und stellt bis zu 49 Prozent daran zum Verkauf. „Nur wenn wir unsere Strategie der rentablen Expansion konsequent fortsetzen, werden wir uns als eigenständiges Verkehrsunternehmen am Markt dauerhaft positionieren können“, sagte Vorstandschef Günter Elste. Ein höheres Expansionstempo verlange eine Stärkung der Eigenkapitalbasis. Für eine Kapitalerhöhung habe die Stadt aber kein Geld. Die Hochbahn ist zur Hälfte an dem Zugbetreiber Odeg beteiligt, dessen Züge von Berlin nach Frankfurt (Oder) fahren.

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