Handel : Chinas Schikanen gegenüber Norwegen

Nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiabao beklagen Norwegens Firmen, geschnitten zu werden. Auf einmal haben viele Unternehmen Probleme beim Handel mit der Volksrepublik.

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Der Stuhl blieb leer. Der Chinese Liu Xiabao durfte im vergangenen Dezember nicht nach Oslo reisen, um seinen Friedensnobelpreis entgegen zu nehmen.
Der Stuhl blieb leer. Der Chinese Liu Xiabao durfte im vergangenen Dezember nicht nach Oslo reisen, um seinen Friedensnobelpreis...Foto: Reuters

Stockholm/Oslo - China wächst, China brummt, wie eigentlich immer. Um sieben Prozent soll die Wirtschaft des Reiches jeweils in den kommenden Jahren zulegen, dazu muss Peking sogar auf die Bremse treten. Viele Länder, Deutschland zum Beispiel, entwickeln sich im Windschatten der Chinesen prächtig.

Norwegen spürt vom Aufschwung in Asien dagegen immer weniger. Viele Firmen beklagen Probleme im China-Geschäft – und zwar seit der Dissident Liu Xiaobo im Dezember 2010 den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam. In scharfer Form hatte Peking damals die Vergabe kritisiert.

Besonders hart betroffen ist Det Norske Veritas (DNV), einer der weltgrößten Zertifizierungskonzerne aus Oslo, mit Schwerpunkt im Schiffsverkehr. Konzernchef Henrik Maden beklagt nun erstmals offen, dass die Auszeichnung an Liu Xiaobo dafür gesorgt habe, dass auch sein Unternehmen erheblichen staatlichen Schikanen ausgesetzt sei. Chinesische Behörden hatten Veritas scheinbar ohne ersichtlichen Grund Anfang Februar die Lizenz zur Schiffszertifizierung auf chinesischen Werften entzogen. „300 meiner Angestellten sitzen seit Wochen herum und dürfen nicht arbeiten“, sagte Maden der Zeitung „Aftenposten“. Das ist ein knappes Drittel von Veritas insgesamt 1000 Angestellten im Reich der Mitte. „Keine Lizenz zu haben, können wir nicht mehr lange verkraften“, warnt Maden.

Vor einer guten Woche sei es noch schlimmer geworden. Veritas verlor zusätzlich noch seine Zertifizierungslizenz für chinesische Exporte und Importe. Auch hier hätten die Behörden den Lizenzentzug nicht begründet, beklagt Maden. Für ihn ist die Verbindung zur Friedenspreisvergabe klar, auch wenn die Chinesen das offiziell nicht zugeben. „Natürlich geben sie es nicht zu“, sagt er. „Das ist eine Bestrafung Norwegens.“

Dabei richtet sich Madens Kritik weniger an China als an sein Heimatland. Maden fordert, wie auch andere norwegische Wirtschaftsführer, dass das Nobelpreiskomitee in Zukunft kein so deutlich norwegisches Profil mehr haben soll. Bislang bestimmen die norwegischen Parlamentsparteien entsprechend ihrer Stärke die Zusammensetzung der Jury. Vor allem Ex-Politiker sind vertreten, sogar ehemalige Premierminister. Eine internationalere Zusammensetzung könne die Unabhängigkeit der Jury stärken, monieren Manager wie Maden. Bei zukünftigen Preisvergaben an Dissidenten mächtiger Länder könne so der Groll auf norwegische Firmen in Grenzen gehalten werden. Es sei naiv zu glauben, der Groll Chinas werde von allein abklingen. „Das China-Geschäft ist sehr wichtig für uns und einen großen Teil der übrigen norwegischen Wirtschaft“, sagt der Veritas-Chef

China ist zu einem wichtigen Exportland für Norwegen geworden. Norwegischer Lachs etwa ist in der Volksrepublik sehr beliebt. Inzwischen ist der Fisch aber seltener auf chinesischen Tellern zu finden. Die Kontrollen seien verschärft worden, beklagen norwegische Exporteure. Einige berichten, ihr Lachs bleibe bei der Einfuhrkontrolle so lange liegen, bis er verderbe. Seitdem liefere man möglichst in andere Länder.

Thorbjörn Jagland, Chef des Nobelpreis-Komitees und Ex-Premier, lehnt Madens Vorschlag ab. Nur sehr wenige Länder hätten letztlich gegen die Verleihung an Liu Xiaobo protestiert. „Wir können keine Friedenspreisjury berufen, um Norwegens Interessen zu dienen. Der Friedenspreis hat ja gerade ein so hohes Ansehen, weil er unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessen ist.“ So schreibe es auch das Testament des Stifters Alfred Nobel vor. Der hatte dem Parlament aber viel Spielraum gegeben. Dass es keine Ausländer in die Jury berufen darf, stehe nirgends, bestätigt ein Parlamentssprecher. Auch die großen Fraktionen lehnen einen neuen Schwerpunkt bei der Berufung der Jury ab. „Es würde auch bei einer Reform unmöglich bleiben, totalitäre Regime von der Unabhängigkeit der Jury zu überzeugen“, sagte Per-Kristian Foss von der Konservativen Partei.

Gleichwohl wächst der Druck auf die Nobelpreis-Jury. Exporteure befürchten, dass in diesem Jahr ein Dissident aus Russland gewürdigt werden könnte. Laut dem Chef des norwegischen Friedensinstitutes, Kristian Berg Harpviken, steht das Land ganz oben auf der Liste.

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