Handel und Touristik : Privatbank steigt bei Arcandor ein

Hilfe für Arcandor: Im Ringen um die Zukunft des Essener Handels- und Tourismuskonzerns ist die Kölner Privatbank Sal.Oppenheim bei dem angeschlagenen Unternehmen eingestiegen. Der wichtigste Ertragsbringer verbleibt im Konzern.

EssenSal.Oppenheim will bis zu 29,5 Prozent der Anteile an Arcandor übernehmen. Gleichzeitig kann der Handels- und Tourismuskonzern an der bisherigen Mehrheitsbeteiligung an seiner wichtigsten Ertragsperle Thomas Cook festhalten. Befürchtungen vor einem möglicherweise drohenden Verkauf von Thomas Cook-Anteilen hatte in den vergangenen Tagen zu einem Kurseinbruch der Arcandor-Aktie an der Börse geführt.

Das Schicksal der in eine wirtschaftliche Schieflage geratenen Warenhaustochter Karstadt ist dagegen weiter ungewiss. Von der bisherigen Mehrheitsaktionärin und Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz wolle die Bank in zwei Schritten zusammen rund 19,5 Prozent der Anteile übernehmen, teilte Sal. Oppenheim am Montag in Köln mit. Zuvor hatte sich die Bank über eine Kapitalerhöhung zunächst rund zehn Prozent der Anteile gesichert und dazu rund 23 Millionen Arcandor-Aktien aus einer Kapitalerhöhung übernommen.

"Unternehmerische Entscheidung"

"Unsere Beteiligung an Arcandor ist eine unternehmerische Entscheidung", sagte Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim. Die Bank unterstütze den Vorstand und dessen Strategie. "Der Markt wird das Potenzial von Arcandor erkennen und positiv bewerten. Der wahre Wert der Aktie liegt nach unserer Einschätzung deutlich über dem aktuellen Börsenkurs", sagte Graf Krockow. Der geplanten Aufstockung der Anteile an Arcandor auf über 25 Prozent müsse jedoch noch das Kartellamt zustimmen, sagte ein Sprecher.

Die heute 64-jährige Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hatte 2005 die Mehrheit an dem damals noch unter dem Namen Karstadt-Quelle firmierenden Unternehmen übernommen. Nach der Übernahme von Teilen ihres Aktienpakets durch die Kölner Bank dürfte ihr Anteil nach Berechnungen von Beobachtern auf unter 30 Prozent absinken. Durch einen Kurseinbruch der Arcandor-Aktie hatte ihr Aktienpaket in den vergangenen Tagen drastisch an Wert verloren.

Die Krise um Arcandor hatte sich in den vergangenen Wochen durch Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium über dringend benötigte Kredite verschärft. Vor diesem Hintergrund hatte der Kreditversicherer Euler Hermes seine Garantien für Warenlieferungen an die Handelstöchter Karstadt und Quelle gedeckelt und damit das wichtige Weihnachtsgeschäft in Gefahr gebracht. In der vergangenen Woche hatte Arcandor eine Einigung mit den Banken verkündet und eine Trennung von Anteilen an Thomas Cook zunächst ausgeschlossen. Wenige Stunden später hatte das Unternehmen in einer "Klarstellung" angekündigt, dass eine Trennung von Thomas Cook-Anteilen doch möglich sei und damit für Irritationen und einen Kurssturz an der Börse gesorgt. Thomas Cook ist neben den beiden Handelstöchtern Karstadt und Primondo der einzige große Ertragsbringer im Konzern. (mfa/dpa)

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