Wirtschaft : Handwerk hat Talssohle durchschritten

Zentralverband für 1998 optimistisch / Arbeitsplatzverlust 1997 doppelt so hoch wie erwartet BONN (wei).Das Handwerk ist für 1998 nach Angaben seines Präsidenten, Dieter Philipp, verhalten optimistisch.Die "konjunkturelle Talsohle" sei zumindest im Westen durchschritten.1997 allerdings blieb das Wachstum hinter dem anderer Wirtschaftszweige zurück.Bei schlechter Auftragslage gingen doppelt soviele Arbeitsplätze verloren, als noch im Mai prognostiziert.Mit 6,5 Mill.Menschen waren rund 100 000 weniger beschäftigt als im Jahr zuvor.An den Insolvenzen ist das Handwerk nach wie vor nur wenig beteiligt. Der Gesamtumsatz des Handwerks blieb laut dem von Philipp vorgestellten Jahresbericht 1997 des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) mit 1020 Mrd.DM weitgehend stabil.Bei den Insolvenzen zeigte sich ein deutlicher Anstieg.Von 601 000 Handwerksbetrieben wurden rund 3000 zahlungsunfähig, das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr. In einigen Branchen wie dem Metallhandwerk sei der für 1998 erwartete positive Trend schon deutlich zu erkennen, sagte Philipp.Der ZDH erwartet, daß die positive Entwicklung der Exporte weiter auf die Binnenkonjunktur ausstrahlt und 1998 ein reales Umsatzwachstum von einem Prozent erreicht wird.Die Zahl der Beschäftigten könnten sich dann stabilisieren.Bereits jetzt seien strukturelle Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt erkennbar, sagte Philipp.Die Einschränkung der Lohnfortzahlung und die neuen Arbeitsförderungsinstrumente wirkten sich positiv aus.Philipp kündigte für dieses Jahr einen Anstieg der Lehrverträge von 220 000 auf 230 000 an.Um eine Verunsicherung der Jugendlichen zu vermeiden, schlägt er regionale "Ausbildungsbündnisse" vor.In ihnen sollen unter anderem die Zahl der Bewerber und der noch nicht besetzten Lehrstellen abgeglichen werden. Geprägt wurde die konjunkturelle Lage 1997 nach dem Bericht des ZDH von den Schwierigkeiten der Bauwirtschaft, die mit einem schrumpfenden Auftragsvolumen fertig werden muß.Das Handwerk begrüßt deshalb die Aufstockung der Förderprogramme für die Wohnraummodernisierung und den Eigenheimbau, die jetzt von der Bundesregierung beschlossen wurden."Volle Auftragsbücher sind das beste Beschäftigungsprogramm." Philipp kritisierte zudem die Vergabepraxis öffentlicher Aufträge.Handwerksbetriebe kämen oft nicht mehr zum Zuge, weil die Ausschreibung Generalunternehmer begünstigt, die alle Leistungen einschließlich der Finanzierung anbieten könnten.Sie würden einen Teil der Aufträge dann an ausländische Subunternehmer weiterreichen.Ein besonderes Ärgernis seien die hohen Bürgschaften, die von den Auftraggebern verlangt werden.Banken rechneten sie auf den Kreditrahmen der Handwerksbetriebe an, die dadurch schon bei geringem Zahlungsverzug ihrer Kunden in Schwierigkeiten kommen. Grundverkehrt wäre es nach Ansicht von Philipp, den Finanzrahmen für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wieder auszuweiten.Das hatte der DGB verlangt.Besonders in den neuen Bundesländern machten ABM-Kräfte und Sozialhilfeempfänger, die die Kommunen in eigener Regie einsetzen, dem Handwerk zunehmend Konkurrenz.Handwerkliche Arbeiten sollten deshalb grundsätzlich nicht mehr im Rahmen von ABM durchgeführt und das geltende Recht entsprechend geändert werden.Sinnvoller wäre es, die neuen Instrumente zur Eingliederung von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt auf breiter Basis zu nutzen.Heftige Kritik übte Philipp am Entschluß der Koalition, die Beiträge zur Pflegeversicherung nicht zu senken."Dieses Modell gehört ins Blüm-Museum", sagte der Handwerkspräsident.

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