Wirtschaft : Handy-Boom auch bei Siemens

Bereich Private Kommunikationssysteme wird ausgebaut / Mehr Umsatz erwartet

MÜNCHEN (tmh).Die Siemens AG, Berlin/ München, korrigiert ihre Pläne für Geschäfte rund um das Telefon deutlich nach oben.Der Bereich Private Kommunikationssysteme (PN) will zum Geschäftsjahr 2000/01 (30.September) mindestens 17 Mrd.DM umsetzen, sagte PN-Chef Dietrich Botsch vor Journalisten in München.Damit würden wegen hoher Nachfrage ursprüngliche Umsatzziele von zwölf Mrd.DM bis zum Jahr 2000 deutlich nach oben erweitert. Derzeit laufe zudem eine Neubewertung der Geschäftsaussichten für das laufende Jahr.1997/98 dürften gut 13 (Vorjahr 11,1) Mrd.DM umgesetzt werden.Neue Stelleneffekte bringt das jedoch nicht.Sowohl in Deutschland als auch weltweit werde der Bereich unter dem Strich trotz des Booms "über die nächsten Jahre annähernd" mit dem bestehenden Personal auskommen, schätzte Botsch.Dabei würde immer mehr Personal von der Fertigung abgezogen und in Service und Montage verlagert, wo jetzt schon zwei Drittel aller Mitarbeiter beschäftigt sind. In Deutschland arbeiten für die Sparte PN derzeit 16 600 Frauen und Männer.Wegen des überplanmäßigen Geschäfts wurden binnen zwei Jahren 1200 Stellen aufgebaut.Deutsche PN-Standorte wie Bocholt, Kamp- Linfort oder Leipzig, wo Bildtelefone gebaut werden, belegen, daß auch Massenprodukte wie Mobiltelefone nicht zwangsläufig aus Fernost kommen müssen, betonte Botsch.Allerdings liege der Lohnkostenanteil bei diesem Produkt nur bei einem Prozent.Weltweit beschäftigt die Sparte PN knapp 34 000 Mitarbeiter. Veränderungen bringt der Boom in der Telekommunikation dagegen bei der Wettbewerberstruktur, meinte Botsch.Das vielzitierte Zusammenwachsen von Telefon und Personal Computer per Internet unter Schlagworten wie Multimedia oder Telearbeit bringe für Siemens neue Konkurrenz aus dem Bereich Software- und PC-Industrie wie etwa den US-Konzern Microsoft."Es wird eine Neuordnung geben müssen," sagte Botsch zu den Marktverhältnissen.In Europa ist Siemens bei Telefonendgeräten derzeit Marktführer, bei Telefonsystemen weltweit. Für Siemens könne sich die Notwendigkeit zu Akquisitionen oder neuen strategischen Allianzen ergeben."Wir werden alle Möglichkeiten und Alternativen prüfen, sagte Botsch, ohne konkreter zu werden.Regionale Schwerpunkte des Siemens-Wachstums seien Asien und die USA.Begleitet wird der allgemeine Telefon-Boom von hohem Preisverfall, der beim Handy als einem Hauptwachstumsträger weiterhin bis zu 20 Prozent ausmacht, sagte Botsch.Das zwinge Siemens dazu, die Produktivität binnen zwei bis drei Jahren um über 2 Mrd.DM zu verbessern, nachdem sie schon in den vergangenen fünf Jahren um rund 3 Mrd.DM gesteigert wurde.Folglich liege das Wachstum auf Basis von Stückzahlen weit über dem Umsatzzuwachs, sagte Botsch.Siemens werde seine Handy-Produktion 1997/98 auf rund 8 Mill.Stück verdoppeln.Bei schnurlosen Telefonen stehe eine Produktionssteigerung von 4 auf 7 Mill.Stück ins Haus.Binnen fünf Jahren werde die gesamte Endgeräte-Produktion von heute 13 auf 40 Mill.Stück zulegen.Aufwärts soll es auch mit den Gewinnen gehen.In der laufenden Periode werde das Vorsteuerergebnis wieder auf über 500 Mill.DM wachsen, nachdem es im Vorjahr konsolidierungsbedingt von 503 auf 460 Mill.DM gesunken war.PN trägt nach eigenen Angaben ein Fünftel zum Konzerngewinn bei und ist gemessen an den Umsätzen der drittgrößte Konzernbereich.

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