Wirtschaft : Handychips von Infineon sind gefragt Angeblich Offerte von Marktführer Intel

München - Infineon war vor Jahresfrist noch ein Pleitekandidat, der jeden Notverkauf gebrauchen konnte. Jetzt könnte es sich der Münchner Konzern sogar leisten, eine Offerte des Weltmarktführers Intel für die Handychip-Sparte abzulehnen. Offiziell schweigt Infineon zum angeblichen Vorstoß des US-Konkurrenten, der groß in das lukrative Segment einsteigen will und dazu eine Milliardenübernahme ins Auge fasst. „Kein Kommentar zu Gerüchten“, sagte ein Konzernsprecher am Montag. Die Infineon-Aktie war am Montag sehr gefragt, der Kurs kletterte um 2,5 Prozent an die Dax-Spitze.

Man werde den nach jahrelangen Dauerverlusten soeben in die schwarzen Zahlen geführten Handychip-Bereich aus eigener Kraft weiterentwickeln und nicht verkaufen, hatte Vorstandschef Peter Bauer zuletzt betont. Dieses Wort gelte noch, hieß es am Montag. Geldnot haben die Münchner, angesichts liquider Nettomittel von mittlerweile wieder rund einer Milliarde Euro, nicht mehr. Zudem ist das umworbene Geschäftsfeld auf gutem Weg, eine wichtige Stütze des Konzerns zu werden.

Infineon beliefert alle großen Handykonzerne wie Nokia oder Samsung mit kompletten Chipsätzen und damit dem Herzstück moderner Mobiltelefone. Vor drei Jahren galt das Geschäft noch als hoffnungsloser Fall. Hauptkunde war die ehemalige Siemens-Handysparte, die unter dem taiwanesischen Konzern BenQ pleiteging. Zur Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs 2009/10, das Anfang Oktober endet, hat Infineon mit Handychips über eine halbe Milliarde Euro umgesetzt, was gut einem Drittel aller Erlöse entspricht. Die Sparte steuerte zudem 26 Millionen Euro operativen Gewinn bei.

Schlechte Nachrichten erreichten Infineon am Montag aus Brüssel. Die EU- Kommission wird Kreisen zufolge in wenigen Tagen eine Kartellstrafe gegen Infineon und andere Unternehmen der Chipbranche verhängen. Gegen insgesamt zehn Firmen würden noch in der laufenden Woche Strafzahlungen wegen illegaler Preisabsprachen verhängt. Die Gesamtbuße könnte sich insgesamt auf bis zu 300 Millionen Euro belaufen. tmh/rtr

0 Kommentare

Neuester Kommentar