Wirtschaft : Handyzulieferer Balda ist vorerst gerettet

Frisches Geld ermöglicht Rückkauf der Töchter

Corinna Visser

Berlin - Der in Finanznöte geratene Handyzulieferer Balda hat am Freitag eine überraschende Lösung für sein Liquiditätsproblem präsentiert. Das Unternehmen kauft sämtliche Geschäftsanteile von drei Tochterfirmen zurück, die Ende vergangenen Jahres an die KS Plastic Solution verkauft wurden. Aus Sicht von Balda führe dies zu geringeren Liquiditätsbelastungen als die Nachforderungen, die der Käufer stellte. „Damit ist eine sich abzeichnende Krise der Balda AG abgewendet“, teilte das Unternehmen mit. Die Banken hätten sich bereit erklärt, bis auf Weiteres ihre Kredite an die Balda nicht fällig zu stellen. Weiteres Geld wollen die Banken zwar nicht geben – dafür hätte Balda aber andere Investoren gewinnen können, die dem Unternehmen weitere Kreditlinien zur Verfügung stellten.

Die Börse quittierte die Nachricht mit einem Kursaufschlag um gut neun Prozent auf 3,95 Euro, nachdem das Papier in den vergangenen Tagen deutliche Verluste hatte hinnehmen müssen. Mitte 2007 hatte der Kurs noch bei nahezu zwölf Euro gelegen.

Balda hatte die verlustreichen Firmen Balda Solutions Deutschland und Ungarn sowie die Balda Werkzeugbau an die KS Plastic Solution abgegeben, hinter der der Finanzinvestor Aurelius steht. Der Grund: Die europäische Produktion von Kunststoffschalen für Mobiltelefone rentierte sich nicht mehr, nachdem der wichtigste Kunde, der Handybauer BenQ mobile (ehemals Siemens), Pleite gegangen war. Balda hatte sich beim Verkauf verpflichtet, die Verluste aus dem Geschäftsjahr 2007 noch zu tragen. Das Betriebsergebnis soll bei minus 12,5 Millionen Euro gelegen haben. Die Nachforderungen überstiegen diese Summe jedoch bei weitem – von bis zu 40 Millionen Euro ist in informierten Kreisen die Rede.

Betroffen von dem Hin und Her in den drei Firmen sind rund 650 Mitarbeiter. Zum Zeitpunkt des Verkaufs waren es noch 800 gewesen. Balda werde die begonnene Restrukturierung fortsetzen und strebe weiterhin einen zügigen Verkauf an, sagte ein Balda-Sprecher. „Wir haben bereits Gespräche mit anderen aufgenommen“, sagte Vorstandschef Joachim Gut. Der Sozialplan zum Abbau von knapp 250 Stellen bei den drei Firmen solle umgesetzt werden. Wer der oder die Investoren sind, die Balda nun neue Kreditlinien zur Verfügung gestellt haben, sagte er nicht.

Bei der Kapitalerhöhung im Dezember hatte zuletzt der ehemalige Premiere- Chef Georg Kofler 5,5 Prozent an Balda erworben. Zu den weiteren Anteilseignern gehören der US-Investor Guy Wyser-Pratte (5,0 Prozent) und der britische Investor Sapinda (8,4 Prozent), der von Lars Windhorsts Firma Vatas aus Berlin vertreten wird.

Die Investoren versprechen sich offenbar viel von den anderen Geschäftsfeldern Baldas. Vorstandschef Gut hatte noch Anfang Februar angekündigt, 2008 werde das Ergebnis vor Steuern bei 24 Millionen Euro liegen, der Umsatz bei 414 Millionen. In Deutschland, am Stammsitz in Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen), entwickelt Balda mit 170 Mitarbeitern Kunststoffprodukte für den Medizinbereich wie etwa Blutzuckermessgeräte. Der Bereich macht derzeit etwa zehn Prozent des Umsatzes aus.

Insgesamt beschäftigt Balda weltweit rund 7000 Mitarbeiter. 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit Kunststoffprodukten für mobile Endgeräte. Mit seiner Produktion für die Handyhersteller ist Balda schon 2001 dorthin gegangen, wo auch die Hersteller sind: nach Asien. Baldas größter Kunde heute ist der japanisch-schwedische Handybauer Sony-Ericsson. Besonders interessant ist Baldas Know-How in Sachen Berührungssensorik. So liefert Balda den Touchscreen für das Designhandy i-Phone von Apple. Corinna Visser

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