Wirtschaft : Hannover Messe eröffnet

Deutschland und Russland wollen ihre wirtschaftlichen Kontakte ausbauen und auf der Hannover Messe dafür konkrete Vereinbarungen schließen. Bundeskanzler Schröder eröffnete die weltgrößte Technologieschau am Sonntagabend gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Putin.

Hannover (10.04.2005, 21:17 Uhr) - Russland ist Partnerland der Messe. Schröder erwartet «wichtige Konjunktursignale» von der Ausstellung. «Zum Pessimismus gibt es überhaupt keinen Anlass.» Putin rief deutsche Unternehmen dazu auf, mehr in Russland zu investieren. Der vierte Platz Deutschlands im internationalen Vergleich bei den Investitionen in Russland sei «nicht zufrieden stellend», sagte Putin. «Die Hannover Messe betrachten wir nicht nur als Schaufenster der russischen Industrie, sondern als konkretes Angebot zur Zusammenarbeit.»

Die Wirtschaftsliberalisierung in Russland mit einer weiteren Privatisierung von Unternehmen werde fortgesetzt. Putin sagte zudem, er rechne mit einem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO bereits in diesem Jahr.

Zu den deutsch-russischen Projekten, die bei der Messe angeschoben und weitergeführt werden sollen, gehört eine «Gemeinsame Erklärung» über eine enge Partnerschaft bei Bildung, Forschung und Innovation. Schröder: «Wir wollen eine zielorientierte Zusammenarbeit in diesen Zukunftsfeldern erreichen - etwa bei der Ausbildung von russischen Nachwuchs- und Führungskräften.»

Besondere Bedeutung komme den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen auf dem Energiesektor zu, sagte Schröder. Die Zusammenarbeit solle über die reinen Lieferbeziehungen hinaus auf eine breitere Basis gestellt werden. Als Beispiel nannte er Beteiligungen deutscher Firmen an der Erdgasförderung und den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee. Aber auch über den Energiesektor hinaus gelte, die Kooperation in der Hochtechnologie zu verstärken.

So wollen deutsche und russische Firmen bis 2010 gemeinsam Schnellzüge bauen. Der russische Industrieminister Viktor Christenko kündigte vor der Messe an, am Montag werde ein Vertrag unterzeichnet, der das Projekt einen Schritt weiter führe. 70 Prozent der Zulieferungen sollen aus Russland kommen. Auf deutscher Seite hat Siemens die Führung.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) äußerte Kritik an Putins Innenpolitik und forderte diesen indirekt zu einer freien Presse und dem Schutz von Minderheiten auf. Die Wirtschaft brauche ein «Klima der Freiheit, der Rechtssicherheit und verlässlicher Institutionen».

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, sagte, die 3500 in Russland tätigen deutschen Unternehmen hätten zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verbuchen können. Das Land könne Wachstumsraten vorweisen, die zu den höchsten der Welt gehören. «Wer sich mit Russland nicht ausreichend beschäftigt, begeht einen unternehmerischen Kunstfehler», sagte Mangold. Nach seinen Worten gibt es große Chancen für Investitionen vor allem in den Feldern Kfz-Zulieferungen, Lebensmittelindustrie, Baustoffe und Energie.

Die deutschen Investitionen in Russland waren zuletzt nicht mehr gewachsen. Als Grund gilt die Verunsicherung über das staatliche Vorgehen gegenüber dem Yukos-Konzern.

BDI-Präsident Jürgen Thumann wies auf die Funktion der Hannover Messe als Konjunkturbarometer hin. Wichtiger sei aber, «den innovativen Schwung dieser Messe auf unsere Konjunktur und auch unsere Wirtschaftspolitik zu übertragen». Eindringlich mahnte Thumann die Umsetzung der Ergebnisse des «Job-Gipfels» und weitere Steuersenkungen an. «Wir sind noch nicht da, wo wir hin müssen.»

Die Messe dauert bis zum kommenden Freitag. Mehr als 6090 Aussteller stellen ihre Produkte aus. (tso)

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