Hauptversammlung : HRE-Aktionäre bieten dem Staat die Stirn

Das Skandalinstitut Hypo Real Estate veranstaltet am Dienstag seine Hauptversammlung – Ärger ist absehbar.

Thomas Magenheim-Hörmann
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Abschiedsgruß? Der Finanzinvestor Christopher Flowers soll nach der Kapitalerhöhung seinen Einfluss verlieren. Foto: dpa

MünchenMünchen - Auch Pensionärin Gisela Engelmann wird klein beigeben müssen. Sie ist Kleinaktionärin der Münchner Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) und pilgert an diesem Dienstag wie andere Leidensgenossen zur außerordentlichen Hauptversammlung, um das Unmögliche möglich zu machen, nämlich eine Kapitalerhöhung durch den Bund und das Herausdrängen von Restaktionären wie ihr zu verhindern. 5500 Euro haben ihre 100 HRE-Aktien einmal gekostet. Keine 150 Euro ist ihr „Notgroschen“ heute noch wert.

Engelmann will Aktionärin bleiben – in der Hoffnung auf bessere Zeiten. „Machen Sie einen Unterschied zwischen Zockern und langfristigen Kleinanlegern“, wirbt sie in einem Gegenantrag für ihre Sache. Aber die Würfel sind längst gefallen.

„Der Bund hat sich Mehrheiten geschaffen“, räumt ein Sprecher des US-Investors J. C. Flowers ein. Der HRE-Großaktionär, der mit Partnern noch 14 Prozent der Anteile hält, will wie Engelmann dabei bleiben, beugt sich aber vorerst den Realitäten. Gut 47 Prozent der HRE-Anteile hat der Bund über den Bankenrettungsfonds Soffin eingesammelt und damit die Hauptversammlungsmehrheit, weil auch in der aufgeheizten Stimmung um die HRE nicht alle Aktionäre anwesend sein werden. Dessen ist sich der Soffin sicher.

Weil bereits relativ viele Anteilseigner an den Bund verkauft haben, muss das Kapital der HRE „nur“ noch um knapp drei Milliarden Euro auf Kosten des Steuerzahlers erhöht werden, sagt eine Soffin-Sprecherin. Anfangs waren 5,6 Milliarden Euro im Gespräch gewesen. Aber auch nach der Kapitalerhöhung wird die HRE weitere Staatshilfen brauchen. Über die genaue Höhe und den Zeitpunkt müsse sich die Bank noch mit dem Soffin verständigen, sagte HRE-Chef Axel Wieandt der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Aktionäre sollen gegen eine Barabfindung herausgedrängt werden.Von Rentnerin Engelmann bis zu den Vertretern von Flowers reicht die Palette derer, die sich auf der Hauptversammlung zu Wort melden wollen. Flowers selbst spricht nicht Deutsch, er schickt einen Vertrauten. Aktionärsschützer werden beklagen, dass sich Altaktionäre nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen dürfen. Bankfachwirt Stefan Engelsberger wird ein Grundrecht zur Beteiligung an der HRE-Sanierung einklagen. Altaktionäre werden mit Regressansprüchen drohen und einem Gang vor das Verfassungsgericht. Mindestens einer von ihnen will die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über die HRE beantragen und damit den Gau im Bankensystem auslösen, den der Bund durch seine Rettungsaktion verhindern muss. Aller Voraussicht nach werden alle scheitern, der Staat wird sich durchsetzen und seinen Anteil an der HRE auf 90 Prozent aufstocken.

Binnen vier bis sechs Wochen folgt dann eine weitere Hauptversammlung zum Squeeze-out, dem gesetzlich zulässigen Herausdrängen der restlichen HRE-Aktionäre. Sie werden zwangsabgefunden mit einer Summe, die nicht über 1,39 Euro je Aktie liegen dürfte. Dagegen wird dann vermutlich Flowers klagen. Eine aufschiebende Wirkung hat das nicht. Im Sommer dürfte die HRE eine Staatsbank sein, ohne Gisela Engelmann.

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