HEIK AFHELDT trifft … : Archibald Horlitz, Gravis-Gründer

Foto: promo
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Es gibt Unternehmer, die auch nach langen Jahren des Erfolgs noch den Schwung der ersten Jahre ausstrahlen. Archibald Horlitz, 830 Mitarbeiter und ein Umsatz von 170 Millionen Euro, ist so einer. Jeans, offenes Hemd und Dreitagebart. Von seinem Büro blickt er auf den Ernst-Reuter-Platz. Ihr 28. Shop in Deutschland eröffnete kürzlich in Steglitz. Unverwechselbar das Design und ihr Logo – vor einigen Jahren von Erik Spiekermann entworfen. Hier findet man digitale Lifestyle-Produkte, signalisiert es.

Das scheint bestens zu funktionieren. Auch wenn es so aussieht, Apple ist nicht die einzige Marke in den Läden. Aber die wichtigste. Und Apple stand am Anfang seines steilen Aufstiegs als einer der wichtigsten Vertriebspartner des Kultunternehmens aus Kalifornien. Anfang der 80er war in seiner WG in Berlin ein Besucher aus Stanford mit dem neuen Mac aufgetaucht. Den hat er ihm abgekauft und wurde der erste deutsche Mac-Benutzer – mit Maus. Er sah er ein „Fenster zur Zukunft“ aufgehen und erwarb die ersten zehn Macs, die unverkäuflich in München lagerten, weil sie für 110 Volt ausgerüstet waren. Die und neue Laserdrucker wurden 1985 der Grundstock für seine Firma Rent a Mac. Ein Kredit kam problemlos von der Deutschen Bank. Der Businessplan sah mit seinen farbigen Grafiken genauso überzeugend aus wie die Examensarbeiten, die Studenten mit den von ihm geliehenen Geräten anfertigten.

Er und ein Partner wurden lizenzierte Apple-Händler. Nach nur sechs Monaten hatten sie einen Marktanteil von 50 Prozent. Ihre Firma für professionelle Anwendungen hieß HSD – für Hardware, Software, Dokumentation. Sie startete extrem erfolgreich in Moabit! Zwei Jahre später entwickelte sich Gravis aus ihrem Frankfurter Mailorder-Haus für Computerzubehör. Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte für den Sohn eines Juristen und einer Ärztin, der als Schüler alle Wirren der Reformen ausgebadet hat und sich noch an seinen prügelnden Lehrer und dessen Sortiment an Bambusstäben erinnert. Gute Zeiten waren aber: ein halbes Jahr als Austauschschüler in Südafrika und ein Besuch beim Onkel in San Francisco. Fußball und Schach wurden seine Leidenschaften – und die Damenwelt. Wissbegierig und vielseitig interessiert sei er gewesen, aber ein wenig volatil. Spreizfüße und Hohlkreuz retteten ihn vor dem Bund und mittelmäßige Abinoten vor dem Jurastudium. In Aachen ging es stattdessen „auf Bergbau“. Ein Jahr war er „Bergbaubeflissener“ – so hieß das – in der Zeche Zollverein. „Unanständig viel Geld“ habe er unter anderem beim Abteufen von Schächten verdient.

Drei Kinder hat er heute, ein Motorrad und ein Haus in Kleinmachnow. Was in zehn Jahren sei, frage ich. Er will „mit grauem Bart“ dann nicht mehr im Lifestyle-Business tätig sein. Für das Geschäft und Gravis liege schon alles jenseits von drei Jahren im Nebel. Die Entwicklung verlaufe so rasend schnell. Er selber läuft am liebsten zu Fuß.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Archibald Horlitz (52)

ist Vorstandsvorsitzender der Gravis AG sowie der Holding der Gravis Computervertriebsgesellschaft mbH und der HSD GmbH. Geboren wurde er in München.

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