HEIK AFHELDT trifft … : Unternehmerin Anna Jagdfeld

Anna Maria Jagdfeld ist Unternehmerin und Inhaberin von Jagdfeld design, dem Departmentstore und der MeoClinic an der Friedrichstraße 71.

Schwarz-Weiß-Fotos bedecken die Wände des behaglichen Büros oben in „ihrem Quartier 206“ an der Friedrichstraße. Eine elegante Frau mit langem dunkelblondem Haar, dunkler Brille, liebenswürdig und bestimmt, lädt in einen tiefen Sessel – und erzählt aus ihrem Leben: Geboren in ein katholisches, bürgerliches Elternhaus in Jülich. Ein tragischer Unfall mit 13 Jahren beendete abrupt ihre Lieblingsbeschäftigungen Bodenturnen und klassisches Ballett. Beim Sturz von einem Lagerdach brach sie sich beide Füße. Damals sei sie noch „klein und zart“ gewesen. Ihre Mutter habe immer gebetet, dass sie doch wachsen möge: Das wurde erhört. Ergebnis: 1,76 Meter!

Nach der mittleren Reife machte das lebhafte junge Mädchen, das gerne Ärztin geworden wäre, aber kein Blut sehen mochte, eine Bauzeichnerlehre und das Abendabitur. Da hieß das Ziel Architektur. Auf dem Weg lockten die Hippiezeit und interessante Uni-Vorlesungen. Mit 21 bekam sie den ersten von insgesamt fünf Söhnen und heiratete den Vater und Kölner BWL-, Jura- und Philosophiestudenten Anno-August Jagdfeld. Schon damals hatte der mit Immobilien zu tun und lernte gerade den Steuerberaterberuf. Das war 1976. Ihr Ältester ist heute 33, der jüngste, Hannibal, 11!

Alle waren sie in Internaten, in Salem oder Charterhouse. Gut finden die Eltern das, weil dort noch die Primär- und Sekundärtugenden gelernt würden. Eine engagierte Mutter sei sie trotzdem gewesen. Nicht einfach war es für sie, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und nicht nur von der „abgeleiteten Anerkennung eines erfolgreichen Mannes“ zu leben. Ihren guten Geschmack und die Stilsicherheit hat sie schon früh eingesetzt und eine eigene Firma, Jackhouse, für Seidenimport in Hongkong aufgebaut und danach – damit sie nicht so oft nach Asien reisen musste – die Innenausstattung großer Projekte ihres Mannes übernommen. Darunter das Adlon, das Quartier 206 oder Heiligendamm. Ihre Firma Jagdfeld Design arbeitet heute mit ihren 25 Mitarbeitern und einem Volumen „von schon einigen Millionen“ auch für dritte Auftraggeber wie das „Überfahrt“ am Tegernsee oder den „St. James Club“ in London. Besonders stolz ist sie auf das „zeitlose Heiligendamm“, wo sie und ihre Familie auch häufiger wohnen. Das Quartier 206 managt sie. Dort hat sie ihren berühmten Departmentstore mit 100 Mitarbeitern auf 2500 Quadratmetern und die MeoClinic, die beide gut laufen.

Mit der Stadtgestaltung in Berlin ist die international anerkannte „Interial Designerin“ wenig zufrieden. Auch die neue Friedrichstraße habe es ohne die frühere reizvolle Kleinteiligkeit und ohne Bäume schwer gehabt, die großen Labels und Marken zu gewinnen. Ihr Familiensitz ist heute noch ein altes Bauernhaus in der Nähe von Aachen. In Berlin hat sie ihre Bleibe in der Taubenstraße. Hier wie dort ist sie noch immer emsig auf „Durchreise“. Jetzt beginnen schon der Sommerschlussverkauf und die Einkäufe für die nächste Saison. Aber die wohl gebräunte, schicke Frau wirkt noch keineswegs so, als freue sie sich auf ruhigere Zeiten.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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