Wirtschaft : Heiße Testphase

Siemens investiert nahe Berlin in die Erprobung seiner Gasturbinen.

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Präzisionsarbeit. In einer Gasturbine stecken bis zu 24 Brenner. Foto: Siemens
Präzisionsarbeit. In einer Gasturbine stecken bis zu 24 Brenner. Foto: Siemens

Berlin - Siemens liefert sich mit den Konkurrenten General Electric und Alstom einen Wettkampf darum, wer die effizienteste Gasturbine der Welt baut. Diesen Rekord reklamiert der deutsche Technologiekonzern bisher für sich. Jetzt baut Siemens ein Testzentrum in Ludwigsfelde bei Berlin, um auch in Zukunft vorne zu liegen. In dem Testzentrum sollen die Brenner für die Gasturbinen erprobt werden, die Temperaturen von bis zu 1500 Grad standhalten müssen.

Dazu investiert Siemens 66 Millionen Euro in Ludwigsfelde. 2014 soll das Testzentrum in Betrieb gehen und 25 hoch qualifizierten Mitarbeitern einen neuen Arbeitsplatz bieten. „Vor dem Hintergrund der globalen Veränderungen auf dem Energiemarkt sehen wir eine deutlich positive Marktentwicklung bei Gasturbinen“, begründete Roland Fischer, Chef des Siemens-Geschäftsbereichs fossile Stromerzeugung, die Investitionsentscheidung im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

2011 hat Siemens bereits 17 Millionen Euro in ein neues Prüffeld und 13 Millionen Euro in ein Bohrwerk zur Bearbeitung von Gehäuseteilen im Gasturbinenwerk in Moabit investiert. 2009 waren 42 Millionen Euro in eine Produktionshalle für die Schaufelfertigung geflossen. „Natürlich hätte es Sinn gemacht, das neue Testzentrum für die Brenner auch in der Huttenstraße zu bauen“, sagte Fischer. „Aber da ist einfach nicht genug Platz.“ Nun entsteht das Testzentrum 15 Kilometer südlich von Berlin in der Nähe des neuen Flughafens und des konzerneigenen Logistikzentrums für Gasturbinenteile, das Siemens 2010 in Betrieb genommen hat.

Siemens rechnet hocheffiziente Gasturbinen zu seinem Umweltportfolio. Nach Angaben des Konzerns emittiert ein modernes Gaskraftwerk rund 330 Gramm klimaschädliches Kohlendioxid pro produzierte Kilowattstunde Strom – im Gegensatz zu 800 Gramm, die ein neuer Kohleblock ausstößt. Jedoch ist die Stromerzeugung mit Kohle billiger. Für die erwartete steigende Nachfrage nach Gasturbinen nennt Siemens-Manager Fischer mehrere Gründe: „Aktuell ist Gas auf dem Weltmarkt günstig und es werden immer wieder neue Vorkommen entdeckt.“ Hinzu komme die hohe Flexibilität der Gaskraftwerke: „Weil sie sich nach Bedarf schnell hoch- oder runterfahren lassen, sind sie eine ideale und auch notwendige Ergänzung zu den erneuerbaren Energien.“ Die Reduktion des CO2-Ausstoßes sei ein klares Argument für Gaskraftwerke.

„Wir bauen das neue Testzentrum in Ludwigsfelde auch, um die Effizienz unserer Turbinen weiter zu steigern“, sagte Fischer. Bisher habe Siemens die Brenner unter anderem beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln testen lassen. „Bei externen Prüfern ist die Verfügbarkeit aber beschränkt. Und es hat weitere Vorteile, wenn wir die Brenner im eigenen Hause testen können“, sagte Fischer. „Wir glauben, dass die Effizienz ein entscheidendes Kaufkriterium ist. Daher sind die Prüfdaten sehr sensible Daten.“

Derzeit beschäftigt Siemens in seinem Berliner Gasturbinenwerk rund 3500 Mitarbeiter, wovon 700 seit 2009 neu hinzugekommen sind. „Das Werk in Berlin ist gut ausgelastet“, sagte Fischer. „Eine Abkühlung der Weltkonjunktur spüren wir in unserem Geschäftsumfeld derzeit nicht.“ Noch vor drei Jahren habe Siemens bei modernen Gasturbinen einen weltweiten Marktanteil von 20 Prozent gehabt. „Jetzt liegt unser Marktanteil bei 40 Prozent“, sagte Fischer. Derzeit verfolge das Unternehmen die Berliner Kraftwerksprojekte des Energiekonzerns Vattenfall in Marzahn, Klingenberg und Lichterfelde mit Interesse. „Sobald hier Ausschreibungen stattfinden, werden wir uns sicher beteiligen.“ Corinna Visser

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