Wirtschaft : Heißes Bietgefecht um Standard-Oil-Gründeraktie

Rekorde bei Auktion für Historische Wertpapiere in Düsseldorf

DÜSSELDORF (ret/HB).Die Prognosen der Fachleute erwiesen sich als richtig.Am Markt für Historische Wertpapiere sind die seltenen wirtschafts- und finanzhistorisch bedeutenden alten Stücke gefragt wie nie zuvor.Das Kaarster Auktionshaus Tschöpe meldet für seine Jubiläumsaktion beim "Aktionstag BörseÒ in Düsseldorf mehrere neue Rekorde.Der Veranstalter spricht vom "Aufbruch in eine neue Ära der ScripophilieÒ.Von 504 ausgerufenen Losen wurden 268 zugeschlagen.Die Nettozuschlagssumme wird mit 365 836 DM angegeben, wodurch sich ein bei Nonvaleur-Auktionen noch nie zuvor erreichter Durchschnittspreis in Höhe von 1965 DM je Los errechnet.Das Geschehen wurde vor allem von US-Autographen geprägt, also von alten Wertpapieren mit den Originalunterschriften bekannter Wirtschafts-Magnaten aus den Anfängen des Industriezeitalters.Die aus dem Jahr 1870 stammende weltweit erstmals auf einer Auktion angebotene Gründeraktie der "Standard Oil CompanyÒ Vorgängergesellschaft der Exxon Corp.sowie von Mobil Oil und anderen Ölfirmen mit den Originalunterschriften von John D.Rockefeller und Henry M.Flagler, wurde nach heißem Bietgefecht bei 92 000 DM zugeschlagen.Der neue Besitzer, der Erfinder und Unternehmer Tankred Menzel, zahlt damit inklusive Aufgeld und Mehrwertsteuer knapp 108 000 DM."Ich wäre bis zu einem Betrag von 200 000 DM gegangenÒ, äußerte Menzel gegenüber dem Handelsblatt seine Überzeugung, ein Schnäppchen gemacht zu haben."Eine Standard-Oil-Gründeraktie wird wohl auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr zu diesem Preis auf den Markt kommenÒ, sagte Menzel unter Hinweis auf zwei noch in den Tresoren des Roêkefeller Archive Centers in New York lagernde Stücke.Damit wurde nach Auffassung von Beobachtern auf dem Scripophilie-Markt eine Schallgrenze durchbrochen.Zwar wurde 1995 auf einer Londoner Auktion für eine alte Anleihe bereits ein Preis von rund 150 000 DM gezahlt, doch wurde auf deutschen Auktionen noch nie zuvor ein sechsstelliger Betrag erzielt.Eine aus dem Jahr 1853 stammende Gründeraktie der "American Express CompanyÒ wurde bei 35 000 DM zugeschlagen.Auch wirklich seltene deutsche Stücke waren gefragt.Lebhaft ging es während der 40.Tschöpe-Auktion bei einer im Jahr 1870 emittierten Gründeraktie der "Braunschweigische Maschinenbau-AnstaltÒ zu, die nach einem Ausruf von 12 500 DM bei 23 500 DM einen neuen Besitzer fand."Wahre Werte kennen eben keine BaisseÒ, wiederholte der Veranstalter im Anschluß an die Auktion die Einschätzung, wonach sich die Preisschere zwischen Massen- und Spitzenware in Zukunft weiter ausweiten werde.Der Sammlermarkt hatte zuletzt unter der Unsicherheit über die Vermarktung von derzeit noch in Millionenzahl in den Tresoren der Berliner Reichsbank lagernden alten deutschen Wertpapiere gelitten.

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