Wirtschaft : Heizöl: Vor dem Winter die Tanks füllen

Tobias Symanski

Deutsche und insbesondere Berliner Heizölkunden unterscheiden sich von denen anderer Länder. Während der Durchschnittseuropäer regelmäßig Heizöl kauft, versuchen die Hausbesitzer hier zu Lande zu spekulieren. Denn sie haben Zeit. "Solch große Vorratslager wie hier gibt es sonst nirgends", weiß ein Berliner Brennstoffhändler aus Erfahrung. Während die durchschnittlichen Heizöltanks in England und Amerika rund 2000 Liter fassen, sind die fünffachen Mengen in Deutschland keine Seltenheit.

"Heizölkunden scheinen auf jeden Fall noch nervöser zu sein als Autofahrer", meint Rainer Wiek vom Energieinformationsdienst (eid). Denn kurz nach den Anschlägen vom 11. September in den USA stieg die deutsche Nachfrage nach Heizöl sprunghaft an, der Heizölpreis kletterte in wenigen Tagen um über zehn Pfennig je Liter. Die Preissteigerungen bei Rohöl und Benzin waren vergleichsweise niedriger. "Da haben einige Kunden in Panik gekauft und sind dabei furchtbar auf die Nase gefallen", sagt Dieter Mäder von der Verbraucherzentrale Berlin.

Freuen dürfen sich derzeit alle, die trotz Terror- und Schreckensszenarien die Ruhe bewahrt haben. Denn im Verlauf des Septembers hat sich der durchschnittliche Marktpreis wieder deutlich verringert und liegt im Moment sogar unter dem Niveau vom 11. September. In Berlin fiel der durchschnittliche Heizölpreis von rund 87 auf etwas mehr als 74 Mark pro 100 Litern. Verantwortlich dafür war vor allem der rasche Verfall des Rohölpreises, der wohl wichtigste Einflussfaktor für die Kosten von Heizöl. Am vergangenen Mittwoch lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl aus den Förderländern des Opec-Kartells bei 19,86 Dollar und damit um rund ein Drittel unterhalb des Höchstwertes nach den Anschlägen. Dafür sorgte vor allem die Ankündigung des wichtigsten Opec-Landes und weltweit größten Ölförderers Saudi-Arabien, es werde mögliche Engpässe in der Ölversorgung ausgleichen. "Zudem halten im Moment vor allem die schlechten Konjunkturdaten und die Sorge vor einer weiter abflachenden Energienachfrage die Preise unten", diagnostiziert Rainer Wiek.

Wenig Einfluss auf den Öl- und damit auch den Heizölpreis hatten dagegen die Militäroperationen der Amerikaner und Briten in Afghanistan. "Ich war wirklich erstaunt, wie locker das von den Märkten aufgenommen wurde", findet Dieter Mäder. Der Verbraucherschützer hatte fest mit Preissteigerungen gerechnet. "Ein Schrecken, der erwartet wird, ist wohl keiner mehr", vermutet er als mögliche Erklärung. Sobald die Angriffe aber auf wichtige Ölförderer wie Irak oder Iran ausgeweitet würden, seien Preissteigerungen möglich. Mäder denkt dabei an die Bilder von den brennenden Ölfeldern, wie sie vor zehn Jahren im Golfkrieg zu sehen waren. Rainer Wiek ist da gelassener. Mit Preisanstiegen rechnet der Ölfachmann weniger wegen einer möglichen Ausweitung der Militärschläge. Wiek denkt in erster Linie an die traditionell saisonalen Gründe: "Es könnte eher zu einem Anstieg der Heizölpreise kommen, wenn es mal wieder so richtig knackig kalt wird."

Niedrigste Preise seit März

Grundsätzlich sprechen die Fakten aber dafür, dass der Ölpreis in Zukunft eher steigen wird. "Wir haben im Moment die niedrigsten Preise seit März", sagt Dieter Mäder. Und die Gefahr einer Preissteigerung sei im Moment größer als ein weiterer Preisrutsch. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Opec mittlerweile sogar wieder an eine Drosselung ihrer Fördermenge denkt, denn der Preis für ein Barrel Rohöl ist bereits seit zwei Wochen nahe der Marke von 20 Dollar und damit aus dem beabsichtigten Zielkorridor von 22 bis 28 Dollar gefallen. Nach dem informellen Mechanismus des Kartells kann der Opec-Präsident eine Förderkürzung von 500 000 Barrel pro Tag veranlassen, wenn der Preis für den Korb zehn Geschäftstage lang 22 Dollar unterschreitet.

Fazit: Da der Heizölpreis im Moment seinen Boden gefunden hat, lohnt es sich, den Öltank jetzt noch schnell aufzufüllen. Einen ersten aktuellen Preisüberblick liefert beispielsweise die Internetseite von Easyoil. Unabhängig vom Marktpreis kann der Käufer immer dann sparen, wenn er größere Mengen abnimmt. So liegt der Durchschnittspreis beim Kauf von 1000 Litern in Berlin derzeit bei rund 80 Mark je 100 Liter. Bei Anlieferung der dreifachen Menge spart der Kunde pro hundert Liter rund sechs Mark, bei Abnahme von 10 000 Litern sind es knapp zehn Mark Ersparnis auf 100 Liter.

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