Wirtschaft : Herlitz bricht auf zu alten Ufern

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Von Daniel Rhee-Piening

Das Ärgste hat Herlitz wahrscheinlich hinter sich. Befreit von Schuldenbergen aus alten Geschäften, die nichts mit dem Kerngeschäft zu tun hatten, kann sich das Unternehmen wieder auf seinen Kern konzentrieren: die Produktion und den Vertrieb von Büroartikeln und Papierwaren. Der Vorstand berichtet von ersten Erfolgen und träumt von einer Umsatzrendite von zwei Prozent.

Doch so zuversichtlich die Äußerungen auch klingen, die Risiken sind nicht zu übersehen. Die Produktion ist weit gefächert, was stabilisierend sein kann, aber nicht muss. Herlitz besinnt sich auf seine alte Stärke, die Logistik. Beim termingenauen Bestücken der Regale im Einzelhandel mit hunderten von Produkten , bei der Kontrolle und Auswertung des Verkaufs, hat das Unternehmen einen gewaltigen Vorsprung. Doch um diesen Vorsprung tatsächlich auszunutzen, braucht Herlitz die großen Einzelhandels-Konzerne als Kooperationspartner. Der Facheinzelhandel spielt schon seit Jahren kaum noch eine Rolle. Die Konzerne aber können die Preise diktieren oder auf die Idee kommen, ihr Sortiment auszudünnen. Dann aber braucht es die komplizierte Logistik-Maschinerie von Herlitz nicht mehr.

Die heikelste Aufgabe für Herlitz ist nun, einen Partner zu finden. Sonst kann das Unternehmen den Konsolidierungsprozess in der Branche nicht aktiv mitgestalten. In Wahrheit brauchen die Berliner sogar mehrere Partner für so unterschiedliche Bereiche wie Ordnerproduktion und Glückwunschkarten. Und da ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Partner irgendwann die Beute teilen.

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