Wirtschaft : Herlitz: Wenig Zeit für den Sanierer (Kommentar)

Maren Peters

Werner Eisenhardt weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Der Chef des Berliner Papier- und Büroartikelhersteller Herlitz muss das schlingernde Unternehmen in den nächsten Monaten auf Kurs bringen, sonst wird es untergehen. Es gibt leichtere Aufgaben für einen Manager. Herlitz, vor Jahren noch europäischer Marktführer in der Branche, ist mit über 700 Millionen Mark hochverschuldet und schreibt bereits im vierten Jahr in Folge rote Zahlen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen noch mehr Verluste gemacht, der Umsatz sank um rund zehn Prozent. Dem steht eine nur geringe Eigenkapitalquote von zwölf Prozent entgegen.

Eisenhardt, der sich als "entscheidungsfreudigen Macher" bezeichnet, macht zwar den Eindruck, als könnte er es schaffen, das Traditionsunternehmen vor dem Schlimmsten zu bewahren; in den gerade vier Monaten, die er im Amt ist, hat er die Sanierung zügig vorangetrieben, hat Standorte zusammengelegt und die Belegschaft mit der Ankündigung massiver Entlassungen verschreckt, die auch vor der Führungsebene nicht halt machen sollen. Doch der Vorstandschef hat den schwersten Teil des Weges noch vor sich: Er muss beweisen, dass er sein ehrgeiziges Ziel - Kostenreduzierungen von bis zu 200 Millionen Mark jährlich - erreichen kann. Und er muss zeigen, dass er in der Lage ist, das hohe Tempo, das er vorgelegt hat, beizubehalten. Noch halten die Banken dem Unternehmen die Treue. Doch ihre Geduld ist in der Vergangenheit arg auf die Probe gestellt worden. Eisenhardt muss ihnen schleunigst Ergebnisse präsentieren.

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