Wirtschaft : Heuschrecke macht Wind

US-Investor Blackstone hat das Geld zum Bau des größten deutschen Hochsee-Windparks zusammen

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Risiko Hochseewind. Ein Anlagensockel im Windpark „Alpha Ventus“. Foto: dapd
Risiko Hochseewind. Ein Anlagensockel im Windpark „Alpha Ventus“. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Für den Geschmack einer Heuschrecke zieht sich dieses Projekt schon fast zu lang hin. „Aber es handelt sich hier nicht um ein Windrad auf irgendeiner Farm, sondern um den größten Offshore-Windpark Deutschlands“, sagte Sean Klimczak. Der Manager des US-Finanzinvestors Blackstone war am Freitag aus der New Yorker Zentrale nach Berlin gereist, um zu verkünden, dass er endlich – drei Jahre nach dem Kauf der Lizenz – die nötigen 1,2 Milliarden Euro zum Bau des Parks mit dem romantischen Namen „Meerwind“ eingesammelt hat.

Auch seien nun alle Verträge mit den Lieferanten und Dienstleistern ausgehandelt: Die Stahlsockel sind bestellt, auch die 2500 Tonnen schwere Trafostation, die ebenfalls auf Säulen im Meer stehen wird. Die Spezialschiffe sind gebucht, und der Bürgermeister der Hochseeinsel Helgoland, wo später 60 bis 70 Wartungsmitarbeiter wohnen sollen, ist mit im Boot – weil bei ihm die Steuer zum Betrieb abgeführt wird. Vor zwei Tagen habe man sich schließlich auch mit dem Turbinenhersteller Siemens über den Kaufpreis für 80 Turbinen mit je 3,6 Megawatt Leistung geeinigt. Die sollen zusammen am Ende – im September 2013 – 288 Megawatt Leistung bringen, genug für rund 400 000 Durchschnittshaushalte.

Als Blackstone im Juli 2008 die Lizenz von dem Projektentwickler Joachim Falkenhagen aus Berlin-Köpenick erwarb, war das eine Sensation: Mancher glaubte, dass Hochsee-Windkraft kurz vor dem Durchbruch auch in Deutschland stünde, wo die Masten nur weit entfernt der Küste aufgestellt werden dürfen. Eine globale Finanzkrise, ein Atom-Super-GAU und mindestens zwei Energiewenden der Bundesregierung später ist klar, dass kein Investor allein einen großen Offshore-Windpark bauen kann. Für den ersten Test-Windpark Alpha Ventus, der 2010 mit zwölf Anlagen ans Netz ging, hatten sich Deutschlands größte Energiekonzerne zusammengeschlossen.

Blackstone selbst trägt 30 Prozent und musste sieben private Kreditgeber gewinnen, um die nötigen 1,2 Milliarden aufzutreiben. Dazu die staatliche KfW, die mit 822 Millionen Euro ein Drittel der Summe stellt. Das Geld stammt aus dem kürzlich aufgelegten Offshore-Förderprogramm mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro, mit dem die Bundesregierung das Ziel verfolgt, bis 2030 rund 25 Gigawatt Leistung in Nord- und Ostsee zu installieren. Das wären fast 90 Windparks der „Meerwind“-Klasse. Dieses Ziel der Regierung hält Blackstone-Mager Klimczak „für sehr ambitioniert, aber nicht unmöglich zu erreichen“. Er stellte zugleich klar: Ohne die KfW-Mittel und die Einspeisevergütung für erneuerbar erzeugten Strom würde dieser Windpark nicht entstehen.

Über die Renditeerwartungen mochte Klimczak keine genauen Angaben machen. Sie seien „Private-Equity-ähnlich“, was 15 bis 20 Prozent Rendite jährlich entspräche. Klimczak beteuerte zudem, Blackstone bleibe langfristig engagiert und sei schon heute vorbildlich. „Denn wir gehen davon aus, dass unser Auftritt auch anderen Investoren zeigt, dass man auch in deutschen Gewässern Geld verdienen kann.“ Kevin P. Hoffmann

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