Wirtschaft : Hin und weg

Wer als Flugbegleiter arbeitet, kommt viel in der Welt herum. Die Kehrseite sind lange Arbeitszeiten, Jetlag und unfreundliche Passagiere. Trotzdem sind viele von ihrem Job fasziniert.

Lara Sogorski
Foto:Johanna Schindler
Foto:Johanna SchindlerFoto: Lufthansa

Kathrin Leineweber kann sich nichts Schöneres vorstellen: um die Welt reisen, fremde Länder kennen lernen, und dafür noch Geld bekommen. Seit 23 Jahren arbeitet sie mittlerweile als Stewardess bei einer großen deutschen Airline. „Ich habe mich so in meine Arbeit verliebt, dass ich nichts anderes mehr machen möchte“, schwärmt sie. Dabei ist der Weg zum Flugbegleiter, so die offizielle Bezeichnung, gar nicht so einfach.

Zunächst absolviert man dazu in der Regel einen mehrwöchigen Lehrgang bei einer Fluggesellschaft. Die Teilnehmer lernen dort, wie man zum Beispiel an Bord ein Feuer löscht, was bei einer Notlandung zu tun ist und wie man freundlich mit den Passagieren umgeht. Allerdings ist der Lehrgang keine anerkannte Ausbildung.

Wer sich dafür bewirbt, muss bei einer großen Airline generell mit mehr Konkurrenz rechnen als bei kleineren Fluggesellschaften. „Grundsätzlich ist der Andrang in den Job sehr groß“, sagt Alexander Behrens, Sprecher der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Daher werde es gerne gesehen, wenn Bewerber schon eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen. Das kann Kathrin Leineweber bestätigen. Direkt nach dem Abitur wurde sie zunächst abgewiesen mit der Empfehlung, doch erst einmal eine Lehre zu machen. Später, mit einer Ausbildung als Hotelfachfrau in der Tasche, bekam sie sofort einen Platz.

GEDULD IST DAS A UND O

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung ist neben einer abgeschlossenen Schulausbildung und Volljährigkeit fließendes Deutsch und Englisch. Flugbegleiter müssen einen Gesundheitstest vom Fliegerarzt, das Medical, bestehen, und auch auf Körpergröße und Gewicht kommt es an: Mindestens 165 Zentimeter verlangen Air Berlin und Germanwings, bei Lufthansa sind es 160, und bei Easyjet zwischen 158 und 190 Zentimeter Körpergröße – je nach Flugzeugtyp. Dazu erwarten die Airlines in etwa ein „Idealgewicht“, gemessen zum Beispiel am Body-Mass-Index.

Flugbegleiter brauchen zudem ausgesprochen gute soziale Fähigkeiten, an Bord sollen sie schließlich mit allen Nationalitäten und Kulturen zurecht kommen. „Unsere Flugbegleiter müssen sich auf unterschiedliche Situationen einstellen können und brauchen dafür ein hohes Maß an Flexibilität“, sagt Air Berlin-Sprecherin Janina Zitz. Im Flugbetrieb sei die Herausforderung noch einmal größer als in der normalen Gastronomie, sagt Leineweber. „Ein Flugzeug ist ein eigenes Universum.“ Man werde häufig in einem eher unfreundlichen Ton angesprochen und für Probleme verantwortlich gemacht, für die man nichts könne. „Trotzdem muss man das berühmte Lächeln behalten und verständnisvoll reagieren“, erläutert sie. Geduld und Zurückhaltung seien das A und O. Auch wenn es einmal stressig wird, müssen Stewardessen und Stewards die Ruhe wahren, etwa wenn Passagiere unter Flugangst leiden, es Turbulenzen gibt oder einen medizinische Zwischenfall.

EIN NACHTEIL IST DER JETLAG

Ist die Bewerbung erst einmal überstanden und ein Job an Bord sicher, heißt es Abheben: Je nach Flug geht es entweder auf die Kurz- oder Mittelstrecken, also in eine andere Stadt in Deutschland oder Europa, oder beispielsweise bis New York, Sao Paulo oder Shanghai auf die Langstrecke. Gerade die sind begehrt, weil damit auch für die Flugbegleiter einige Tage Urlaubszeit in einem anderen Land herausspringen.

Kathrin Leineweber hatte Glück und durfte gleich zu Beginn ihrer Zeit viel Langstrecke fliegen: „Zum Beispiel ging es einmal nach Las Vegas, 14 Uhr Check-in in Düsseldorf, plus 11,5 Stunden Flug. Dann ist man mit der Zeitverschiebung in etwa um 17 Uhr angekommen“, beschreibt sie ihren Arbeitstag. So sei man zwar schnell mal 24 Stunden auf den Beinen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, habe danach aber vor Ort zwei bis drei Tage, manchmal eine Woche frei.

Nachteil bei Langstreckenflügen: die Zeitverschiebung. „Mit dem Jetlag umzugehen, also wenn der Schlaf- und Wachrhythmus gestört ist, ist manchmal wirklich schwierig“, weiß Leineweber aus Erfahrung. Gerade wenn man älter werde. Auf verrückte Dienstzeiten müsse man sich schon einstellen können, sagt die 45-Jährige. Denn mal müsse man nachts um drei Uhr raus aus dem Bett, weil der Flieger um sechs Uhr geht. Oder man lande nachts um zwei Uhr und komme erst frühmorgens zum Schlafen. „Außerdem arbeitet man natürlich gerade dann, wenn andere frei haben, also vor allem am Wochenende und an Feiertagen.“

DIE GROSSEN ZAHLEN MEHR

Für welche Route und zu welchen Zeiten man als Flugbegleiter arbeiten muss, richtet sich meist nach einem vorgegebenen Dienstplan. Zudem kommt es stark auf die jeweilige Airline an, wie sich die Arbeit gestaltet. „Es gibt zwar einen EU-weiten grundsätzlichen Tarifbeschluss, was die Einsatz- und Ruhezeiten betrifft, hausintern existieren dazu aber noch einmal einige Sonderregelungen“, sagt Alexander Behrens von der Gewerkschaft Ufo.

Das gilt auch für die Bezahlung. Prinzipiell bekommen Flugbegleiter einen Grundverdienst plus Zulage für Überstunden. Air Berlin beispielsweise zahlt an Einsteiger rund 2000 Euro brutto pro Monat, bei Lufthansa sind es etwa 1533 Euro monatlich, plus Schichtzulage, einem so genannten Abwesenheitsgeld und Urlaubsgeld. Wer zum Chef-Flugbegleiter, Purser genannt, aufsteigt, kann mit etwa 400 Euro mehr rechnen. „Die großen Fluggesellschaften zahlen natürlich generell mehr Geld für weniger Arbeit als Billiganbieter“, so Behrens.

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