Hintergrund : Auf dem Vorfeld wird nicht schlecht verdient

Die Gehaltsdiskrepanz am Flughafen Frankfurt ist groß. Die von den Flugfeld-Kontrolleuren geforderten Tariferhöhungen würde sie nicht gerade kleiner machen.

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Bislang gut 1000 ausgefallene Flüge, Umsatzeinbußen von fast fünf Millionen Euro für den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und in hoher zweistelliger Millionenhöhe allein für die Lufthansa - der Streik der Vorfeld-Mitarbeiter war teuer und für Tausende von Passagieren ärgerlich. Nach fünf Tagen ist der Ausstand zu Ende, mit Beginn der Nachtschicht am Mittwochabend haben die Beschäftigen die Arbeit wieder aufgenommen. Die Fluglotsengewerkschaft GdF akzeptierte ein Gesprächsangebot von Fraport-Chef Stefan Schulte. Beide Seiten wollen sich am Donnerstag ohne Vorbedingungen wieder an den Verhandlungstisch setzen. Bislang stehen Aufschläge zwischen 48 und 73 Prozent im Raum, die mit einem Schlag rückwirkend zum 1. Januar wirksam werden sollten, sich aber auf eine Laufzeit von fünf Jahren verteilen. 

Genau 205 von 21.300  Fraport-Mitarbeitern hatten den Flugbetrieb auf dem größten Flughafen des Kontinents seit vergangener Woche massiv gebremst. Der Konflikt betrifft drei Bereiche, die in Frankfurt für die Bewegungen der Flugzeuge auf dem Flughafen vor Start und Landung verantwortlich sind. Das ist zum einen die so genannte Apron (zu deutsch: Vorfeld) Kontrolle. Hier sind 85 Mitarbeiter beschäftigt. Diese Lotsen übernehmen die Maschinen nach der Landung oder führen sie zur Startbahn. Sie dirigieren die Piloten und sind in der Regel zeitgleich für zehn, mitunter auch 20 Flugzeuge verantwortlich. Das Brutto-Jahresgehalt der Apron-Mitarbeiter, die perfekt Englisch sprechen müssen und 18 Monate intern ausgebildet werden, liegt im Schnitt bei 53.000 Euro, bei durchschnittlich 1337 Arbeitsstunden pro Jahr. In Spitze werden Gehälter von 69.000 Euro gezahlt.  

 Die zweite Gruppe ist die Vorfeldaufsicht, zu erkennen unter anderem an den gelb-schwarzen „Follow-Me“-Fahrzeugen. Sie begleiten und führen die Jets, aber auch Baufahrzeuge direkt auf dem Flughafen, etwa von der Landebahn zum Gate. Hier beschäftigt Fraport 91 Mitarbeiter, die im Schnitt bei 1.463 Arbeitsstunden pro Jahr brutto 42.000 Euro erhalten.

 Schließlich geht es um 29 Mitarbeiter in der Verkehrszentrale. Sie sind von ihrem Büro aus für die Verteilung der Flugzeuge auf die Flugsteige und die Vorfeldpositionen verantwortlich. Durchschnittliches Jahresgehalt 47.300 Euro bei 1463 Arbeitsstunden.

 Den bisherigen Forderungen der GdF zufolge sollen die Gehälter der Vorfeldaufseher rückwirkend zum 1. Januar von 53.000 auf 79.600 Euro und damit um 50 Prozent steigen. Zulagen und kürzere Arbeitszeit hinzugerechnet liegt das Plus nach Angaben von Fraport bei 73 Prozent. Die Spitzengehälter sollen von 69.200 um 25 Prozent auf 86.700 Euro steigen, mit Zulagen und verkürzter Arbeitszeit um 48 Prozent. In der Verkehrszentrale soll es von 47.300 auf 60.700 Euro um 28 Prozent nach oben gehen, insgesamt auch hier um 48 Prozent. Die Vorfeldaufseher sollen künftig 60.700 Euro verdienen nach 42.000 Euro bisher, ein Plus von 45 Prozent. Mit Zulagen und verkürzter Arbeitszeit ginge es um 64 Prozent nach oben. Die Erhöhung soll sofort ausgezahlt werden, die Gehälter bleiben dann für vier Jahre stabil. Pro Jahr würden sich so Aufschläge zwischen 12 und 18 Prozent ergeben.

 Dies würde nach Ansicht von Fraport das Gehaltsniveau im Unternehmen komplett sprengen. Dort verdient ein Ingenieur im Schnitt 53.000 Euro, ein Handwerksmeister kommt auf 45.000 und ein Lademeister auf 30.300 Euro. Und die Busfahrer, die die Passagiere von den Flugzeugen zum Terminal bringen oder am Flugzeug abholen müssen sich im Schnitt pro Jahr mit 29.900 Euro brutto begnügen. Auch all das, sagt Schulte, seien wichtige, verantwortungsvolle Jobs. In der Belegschaft trägen die Forderungen der Vorfeld-Mitarbeiter deshalb auf „absolutes Unverständnis, ja sogar auf Verärgerung“.

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