Wirtschaft : Hire and Fire in der Autobranche

MARKUS HENNES (HB)

DÜSSELDORF . Der Abgang kam plötzlich, aber nicht unerwartet: Am 5. Februar dieses Jahres legte BMW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder sein Amt nieder. Anhaltende Übernahmegerüchte, Intrigen im Vorstand und Milliardenverluste bei der britischen Konzerntochter Rover hatten den Autohersteller in eine schwere Krise gestürzt.Die Industriellen-Familie Quandt, mit einem Anteil von 46 Prozent der wichtigste Aktionär bei BMW, wollte nicht länger tatenlos mitansehen, wie die Talfahrt der BMW-Aktie ihr Vermögen schrumpfen ließ. Von April 1998 bis Januar 1999 hatte sich der Kurs der BMW-Stammaktie von knapp 1100 auf 600 Euro nahezu halbiert. Mit einem Buchverlust von 5,5 Mrd. Euro waren vor allem die Quandt-Erben Leidtragende des Desasters.Insofern kam Pischetsrieder mit seinem Rücktritt einer Absetzung durch den Aufsichtsrat zuvor. Denn in Zeiten grenzüberschreitender Fusionen und erbitterter Kämpfe um führende Weltmarktpositionen sehen sich Topmanager einem erhöhten Arbeitsplatzrisiko ausgesetzt: Zunehmend wird die Börsenbewertung zum alleinigen Erfolgskriterium. Dies bekommt nun auch der neue BMW-Chef, Joachim Milberg, zu spüren. Noch hat er die Anleger nicht überzeugt. Seit er in München am Steuer sitzt, kam der Kurs der Aktie kaum von der Stelle. Die Gefahr, von einem Konkurrenten geschluckt zu werden, ist noch nicht gebannt. Das dürfte vor allem VW-Chef Ferdinand Piëch interessieren, der sich damit brüstet, bei BMW einzusteigen, falls die Familie Quandt doch ihr Aktienpaket versilbert.Mit Genugtuung wird man deshalb in München registriert haben, daß mit Pierre- Alain de Smedt nun ein Topmanager den Wolfsburger Konzern verläßt - und zwar auf eigenen Wunsch. Ein freiwilliger Abschied von VW ist nach dem von Piëch in den vergangenen Jahren praktizierten Hire und Fire ein Novum. De Smedt, Chef der spanischen VW-Tochter Seat, wird neuer geschäftsführender Vize-Präsident bei Renault.Nicht erfüllt haben sich dagegen die Hoffnungen von Peter Hanenberger, an die Spitze der General-Motors-Tochter Adam Opel aufzurücken. Statt seiner übernahm Robert Hendry von der schwedischen Konzernschwester Saab das Steuer in Rüsselsheim. Noch im Frühjahr 1998 war Hanenberger Wunschkandidat von General Motors (GM) für den Chefsessel von Opel gewesen.Doch der Konflikt um seine Ernennung führte im Oktober 1998 zu einer Palastrevolution: Der Betriebsrat und Vorstandskollegen warfen Hanenberger vor, aus Kostengründen Opel-Modelle auf das niedrige US-Qualitätsniveau gedrückt zu haben. Nach einer peinlichen Rückrufaktion im November kündigte die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat an, einer Vertragsverlängerung Hanenbergers nicht mehr zuzustimmen. GM zeigte sich beeindruckt und lobte Hanenberger Anfang Juni nach Australien weg. Auf dem fünften Kontinent zählt er nun zur Führungsriege der GM-Tochter Holden.Bernd Pischetsrieder hingegen ist weiterhin auf der Suche nach einem adäquaten Job - und widmet sich derzeit wohl vor allem den Dingen, für die er als Chef von BMW keine Zeit hatte.

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