Wirtschaft : Hochtief und Holzmann noch für Überraschung gut

MARGARITA CHIARI

Hochtief räumt Probleme bei den Kooperationsgesprächen einVON MARGARITA CHIARI BERLIN.Für Überraschungen ist die Baubranche immer gut.Die Wende des Essener Bauriesen Hochtief, seinen jahrelangen Kampf um einen stärkeren Einfluß auf den Konkurrenten Philipp Holzmann zu "limitieren", hat selbst Börseninsider in Erstaunen versetzt.Denn immerhin war Hochtief seinem Ziel noch nie so nahe wie jetzt: Erst Mitte März hatte das Berliner Kammergericht dem Konzern im Rechtsstreit gegen das Kartellamt in nahezu allen Punkten Recht gegeben.Nach fast dreieinhalb Jahren des Tauziehens, zunächst gegen den erbitterten Widerstand von Holzmann selbst, dann gegen den des Kartellamtes, und der zwischenzeitlich eingefädelten und dann doch zurückgezogenen "Pool-Lösung" mit dem zweiten Holzmann-Großaktionär, der Deutschen Bank, schien der Weg für Hochtief endlich frei, seine Beteiligung von heute 24,9 auf 35 Prozent aufzustocken. Doch daraus wird nun nichts.Am Freitag abend - nach Börsenschluß - teilten die Essener mit, sich mit einem kleinen Zukauf von 0,2 Prozent begnügen zu wollen, gerade ausreichend für eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.Offizielle Begründung: Da man davon ausgehe, daß das Kartellamt eine Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen wird, sei eine weitere "Hängepartie" zu erwarten, die nicht mehr zumutbar wäre.Vielmehr wolle man mit diesem Rückzug auch ein "deutliches Signal an Holzmann" senden, die Gespräche über eine engere Kooperation im Auslandsgeschäft fortzusetzen, sagte Hochtief-Sprecherin Jutta Hobbiebrunken auf Anfrage.Die Börse reagierte prompt - und negativ.Am Montag rutschten die Notierungen beider Baukonzerne um mehr als fünf Prozent deutlich nach unten. Offenbar schenkte die Börse der offiziellen Begründung nicht viel Glauben."Unternehmenstechnisch ist es eigentlich irrelevant, ob die Beteiligung 25,1 oder 35 Prozent ausmacht", so Markus Strigl, Analyst beim Bankhaus Trinkaus & Burkhardt.Anders als für den Kursrutsch von Holzmann, "wo die Übernahmespekulation raus ist", müsse für das Minus bei Hochtief eine andere Begründung gefunden werden.Strigl ortet sie "im Eingeständnis, daß die Kooperationsverhandlungen mit Holzmann nicht so laufen wie erhofft".Trotz des Wechsels im Holzmann-Vorstand gibt auch Hochtief-Sprecherin Hobbiebrunken zu, müßten da "noch psychologische Sperren" im Management des Konkurrenten überwunden werden.Bei Holzmann heißt es dazu knapp: "Wir sind zu Kooperationen bereit, wo es sinnvoll ist." Zudem ist der Zukauf der 0,2 Prozent noch nicht entschieden."Ab einer Beteiligung von 25 Prozent greift die Fusionskontrolle.Die grundsätzliche Frage ist weiter klärungsbedürftig", heißt es beim Kartellamt, das sich aber zu der Frage, ob es bis zum 4.Mai Rechtsbeschwerde beim BGH erheben wird, noch bedeckt hält.Im Fall Holzmann/Hochtief ist noch für jede Menge Überraschungen Platz.

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