Wirtschaft : Hoffnung für die Habenichtse

JAN DIRK HERBERMANN

GENF .Keine Zölle mehr für die Waren der am wenigsten entwickelten Länder - der Vorschlag des britischen Premiers Tony Blair erntete beim 50jährigen Jubiläum des multilateralen Handelssystems in Genf langen Beifall.Für die Habenichtse auf dem Globus ein kleiner Hoffnungsschimmer.Schon lange zirkuliert das Konzept in den Amtsstuben der Vereinten Nationen in New York.Bei der für den Handel zuständigen Welthandelsorganisation WTO in Genf hingegen wurde es bisher allenfalls kritisch registriert.Dabei hätten die reichen Länder wenig zu verlieren.Aus den 48 ärmsten Ländern der Erde stammt nämlich weniger als ein halbes Prozent der weltweiten Exporte.Die Zolleinnahmen fallen somit kaum ins Gewicht.

WTO-Generaldirektor Renato Ruggiero erklärte, daß die Niederlande und andere Staaten das Projekt Zollfreiheit für die Ärmsten unterstützen würden.Als Fürsprecher gab sich auch der norwegische Ministerpräsident Kjell Bondevik zu erkennen: "Die Ärmsten dürfen nicht länger an den Rand gedrängt werden." Der Erfolg der WTO wird in Zukunft an den Fortschritten im Kampf für die Verelendung gemessen.

Umweltschutzverbände und Entwicklungsorganisationen werfen der WTO vor, sie sei ein "rücksichtsloser Beschleuniger der Globalisierung".Die reichen Länder würden ihr die Feder führen.Tausende Demonstranten marschierten während der Feierlichkeiten in Genf vor das Palais der Nation und sorgten für Alarmstufe eins.

In dem abgeriegelten Gebäude hagelte es auch Kritik.Kubas Staatschef polterte: "Die Arbeit der WTO hat den Entwicklungsländern nichts gebracht." Und der brasilianische Präsident Fernando Cardoso sagte, er sei perplex, "daß entwickelte Länder mehr als 160 Milliarden Dollar jährlich in ihre Landwirtschaft pumpen, nur um sie von den Regeln eines weltweiten Wettbewerbes zu schützen." Bei allen Mißklängen konnte WTO-Chef Ruggiero das Fest doch noch mit einem Erfolg beenden.Der Handel im Internet soll zunächst zollfrei bleiben.WTO-Experten schätzen, daß das Geschäftsvolumen des Waren- und Dienstleistungsaustausches im elektronischen Medium 300 Mrd.Dollar im Jahr 2000 erreichen wird.

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