Wirtschaft : Holzmann: Bauunternehmen steht vor dem Aus

Eine Pleite des angeschlagenen Holzmann-Konzerns ist offenbar nicht mehr zu verhindern. Die Gläubigerbanken konnten sich bis zur gesetzten Frist nicht auf einen Sanierungsplan einigen. Commerzbank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank lehnten am Mittwoch auch den nachgebesserten Rettungsvorschlag ab, den Holzmann und die Deutsche Bank als größter Kreditgeber des Konzerns am Montag präsentiert hatten.

Der Vorstand des Unternehmens kam in Neu-Isenburg bei Frankfurt zusammen, um über die Lage zu beraten. Bankenvertreter gingen allerdings davon aus, dass Holzmann mit seinen 23 000 Beschäftigten im In- und Ausland Insolvenz anmelden muss. "Der Rettungsplan ist kein Plan, der aus unserer Sicht tragfähig erscheint", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Die Dresdner Bank teilte nach eigenen Angaben der Deutschen Bank mit, dass sie "kein tragfähiges Gesamtkonzept" sehe. Auch der nachgebesserte Sanierungsplan habe die Dresdner Bank "enttäuscht". Ähnlich argumentierte nach Angaben aus Bankenkreisen die Hypo-Vereinsbank. Die Holzmann-Aktie brach ein: Das Papier stürzte bis 17 Uhr um rund zwölf Prozent auf 5,65 Euro, nachdem es am Vortag noch stark zulegen konnte.

Ungeachtet dieser Nackenschläge versicherte die Deutsche Bank, dass sie weiter eine Lösung für die Philipp Holzmann AG suche. Einem Sprecher zufolge brächte eine Insolvenz weitaus größere Schäden als eine gemeinsame Sanierungslösung. Außerdem gebe es ein Angebot mehrerer Investmentbanken, Holzmann eine Finanzspritze zu geben. Diese soll sich Medienberichten zufolge auf 100 Millionen Euro belaufen, was das Unternehmen aber allein nicht retten würde. Die Offerte basiert auf einer 1998 ausgegebenen Wandelanleihe über 250 Millionen Euro. Mit dem Tausch der Wandelschuldverschreibungen in Holzmann-Aktien könnte die katastrophale Eigenkapitalbasis des Baukonzerns verbessert werden.

Für eine Rettung von Holzmann hätte der Sanierungsplan bis Mittwoch stehen müssen. "Es ist uns vom Vorstand mitgeteilt worden, dass heute die Entscheidung fallen muss, ob Holzmann zum Insolvenzverwalter geht oder nicht", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Willi Röll. Die Belegschaft hoffe bis zur letzten Sekunde. "Die Banken müssen auch ihre Verantwortung sehen für die Allgemeinheit", forderte Röll. "Im schlimmsten Fall sind das 23 000 Arbeitslose mehr", davon 11 000 in Deutschland. Auf den Baustellen erhöhe sich die Gefahr, dass die Zulieferer keine Baustoffe mehr anlieferten. Bislang sei dies nirgends der Fall, "aber wenn das so weiter geht, wird unsere tägliche Arbeit davon wirklich betroffen", sagte Röll. Derzeit werde jedoch überall normal weitergearbeitet.

Die knapp 20 Gläubigerbanken bemühten sich seit Tagen um Soforthilfen für den Baukonzern, der nach Presseberichten im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 240 Millionen Euro erlitt. Dabei verlangten die kleineren Gläubiger ein stärkeres Engagement der Deutschen Bank, zu dem diese aber offenbar nicht bereit war. Nach Angaben von Bankenvertretern hätte der zuletzt vorgelegte Rettungsplan nur Löcher gestopft, "die spätestens Mitte April wieder aufreißen würden". Nach dem "Nein" der drei Banken laufe nun alles auf einen Insolvenzantrag zu. Dies würde aber nicht den Verlust aller Arbeitsplätze bedeuten. Vielmehr würden die "guten oder rettbaren Teile des Unternehmens" fortgeführt. Ein Insolvenzverfahren könnte dem Konzern sogar etwas Luft verschaffen. Denn für maximal drei Monate, der Dauer des vorläufigen Verfahrens, zahlt das Arbeitsamt die Löhne als "Insolvenzgeld". Der Insolvenzverwalter - in der Regel ein spezialisierter Rechtsanwalt - kann während dessen weiter versuchen, einen Rettungsplan für das gesamte Unternehmen zu finden oder Möglichkeiten, profitable Teile weiter zu führen. Doch verschreckt ein Insolvenzverfahren oft mögliche Kunden. Gerade in der - meist langfristig planenden - Baubranche bricht so das Geschäft schnell ein.

Holzmann war wegen eines Milliardenlochs schon im Herbst 1999 in eine bedrohliche Schieflage geraten. Das Unternehmen konnte damals nur auf Vermittlung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über ein Sanierungspaket von Gläubigerbanken und Bundesregierung sowie Konzernleitung und Arbeitnehmern gerettet werden. Diesmal will Schröder aber offensichtlich nicht eingreifen.

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