HSH Nordbank : Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafen und Geldbußen

Im Prozess gegen Ex-Vorstände der HSH Nordbank fordert die Staatsanwaltschaft Bewährungs- und Geldstrafen. Besonders hart würden sie "Dr. No" Dirk Nonnenmacher treffen.

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Auch Nonnenmacher muss sich vor Gericht verantworten.
Auch Nonnenmacher muss sich vor Gericht verantworten.Foto: dpa

Im Untreue-Prozess gegen frühere Vorstände der HSH Nordbank hat die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen und Geldbußen gefordert. Für den ehemaligen Bankchef Dirk Nonnenmacher verlangten die Ankläger am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht eine Verurteilung zu einem Jahr und drei Monaten. Zudem soll der unter dem Spitznamen „Dr. No“ bekanntgewordene Mathematikprofessor mit 150.000 Euro die höchste Geldbuße der sechs angeklagten ehemaligen Vorstandsmitglieder bezahlen. Nach Einschätzung von Staatsanwalt Karsten Wegerich haben sich die Banker sorglos und oberflächlich verhalten, als sie 2007 ein komplexes Wertpapiergeschäft unter dem Codenamen „Omega 55“ schnürten. Sie hätten ihren Spielraum überschritten und eine „schlechte Leistung“ an den Tag gelegt.
Der seit Mitte vergangenen Jahres laufende Prozess gegen ehemalige Vorstände der Bank vor der Großen Wirtschaftskammer des Landgerichts Hamburg befindet sich auf der Zielgeraden. Die Staatsanwaltschaft erkennt zwar keine kriminelle Energie und auch keinen Willen einer persönlichen Bereicherung bei den früheren HSH-Bankern – dafür aber mindestens eine nicht entschuldbare Fahrlässigkeit bis hin zu bedingtem Vorsatz bei Billigung des umstrittenen Finanzgeschäfts.

Der Staatsanwalt spricht von einer Mentalität von Frühstücksdirektoren

Das Unterzeichnen des komplexen Geldgeschäfts sei grob pflichtwidrig in der Mentalität von Frühstücksdirektoren erfolgt, sagte Staatsanwalt Wegerich. Getrieben worden seien die Angeklagten vom Ehrgeiz, die HSH an die Börse zu bringen und den damit verbundenen persönlichen Vorteilen wie höheren Vorstandsgehältern. „Dazu war offenbar jedes Mittel recht“, sagte Wegerich. Den Schaden für die Bank bezifferte der Staatsanwalt auf 52,6 Millionen Euro. Die von ihm zusammengetragene Anklageschrift ist über 600 Seiten lang. Das Verfahren, in dem das Urteil Ende Juli gesprochen werden soll, dürfte in die nächste Instanz gehen.
Im Kern ging es um ein komplexes Wertpapiergeschäft unter dem Codenamen „Omega 55“, mit dem die HSH ihr Kapitalpolster aufhübschen wollte. Doch damit holte sich die Bank Risiken ins Haus, die sie beinahe in die Pleite getrieben hätten. Hamburg und Schleswig-Holstein mussten die Landesbank mit einem 13 Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor dem Aus retten. Nonnenmacher wurde später Vorstandschef. Er musste die Bank 2011 im Streit mit den Eignern verlassen und erhielt eine Abfindung von vier Millionen Euro.
Joachim Friedrich und „Dr. No“ Nonnenmacher müssen sich wie ihre Mitangeklagten wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten. Beiden wird zudem Bilanzfälschung vorgeworfen, weil sie bei den 2008 veröffentlichten Quartalszahlen statt eines tatsächlichen Verlustes in Höhe von 31 Millionen Euro einen vermeintlichen Überschuss von 81 Millionen Euro auswiesen.

Nonnenmacher schweigt darüber, wie viel Geld er verdient

Friedrich soll dafür eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten erhalten, zuzüglich einer Geldbuße von 100.000 Euro. Nonnenmacher, der nach eigenen Angaben über seine Vermögensverhältnisse aktuell keine Einkünfte aus einer Tätigkeit bezieht, soll neben einer 15-monatigen Bewährungsstrafe 150.000 Euro Geldbuße zahlen. Für die übrigen Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft Strafen zwischen zehn und 18 Monaten auf Bewährung samt Geldbußen zwischen 40.000 und 75.000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft verwahrte sich gegen den durch die Verteidigung erhobenen Vorwurf einer Hexenjagd und sprach vielmehr von einer strafrechtlichen Bewertung mit Augenmaß. Nonnenmacher wies – wie seine mitangeklagten früheren Bankmanager auch – alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zurück. Unterschriften für den „Omega“-Transaktionsdeal seien lediglich Zeichnungen der Kenntnisnahme, nicht jedoch der Billigung gewesen. Bereits in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen von Schleswig-Holstein und Hamburg wurden die Vorgänge aufgearbeitet. Die HSH Nordbank hatte sich auch deshalb verhoben, weil die internationale Finanzmarktkrise zu dem Zeitpunkt bereits voll durchschlug. mit dpa und rtr

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