Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank: Die Altlasten sind bereinigt

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"Die Baustelle Hypo-Vereinsbank macht große Fortschritte." Mit diesen Worten kommentierte der Vorstandschef der Bayerischen Hypo-Vereinsbank (BHV) AG, Albrecht Schmidt, am Mittwoch die vorläufigen Jahreszahlen des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts. Vor allem ein gutes Ergebnis in dem für die Banken schwierigen vierten Quartal 2000 hat bei der in München ansässigen Bank dafür gesorgt, dass sowohl eigene Erwartungen, als auch Schätzungen vieler Analysten teils deutlich übertroffen wurden. So hat sich der Jahresüberschuss 2000 auf 2,3 Milliarden Mark fast verdreifacht. Hauptgrund dafür ist die Halbierung der Kreditrisikovorsorge auf ebenfalls 2,3 Milliarden Mark.

Die massiven Probleme im Immobiliengeschäft, wo die Bank eine europaweit führende Rolle für sich reklamiert, scheinen endgültig überwunden. Letzter Schritt der Sanierung dieses für die Bank entscheidenden Geschäftsfelds ist die nun beschlossene Bündelung aller darauf konzernweit entfallenden Finanzierungsaktivitäten in einer einzigen Tochtergesellschaft. Damit widme sich sein Haus nach der Fusion von Vereinsbank und Hypo-Bank sowie der im vergangenen Jahr erfolgten Übernahme der Bank Austria nun einer "Phase des Innenausbaus", sagte Schmidt.

Strategisch und operativ sei die Hypo-Vereinsbank im Vorjahr gut vorangekommen. Insgesamt seien die operativen Erträge 2000 um gut ein Zehntel auf 16 Milliarden Mark gestiegen. Das Ertragswachstum ist damit doppelt so hoch, wie von Schmidt vor Jahresfrist erwartet, was aber vor allem auf den Erwerb der Bank Austria zurückgeht. Auf der Kostenseite hat diese Akquisition die Münchner indessen kaum belastet. Der Verwaltungsaufwand stieg relativ moderat um knapp sieben Prozent auf 9,4 Milliarden Mark.

Die Bank habe 2000 alle Ziele erreicht, bilanzierte Schmidt. So ist der Zinsüberschuss vor Risikovorsorge um zwei Prozent auf rund zehn Milliarden Mark gestiegen. Um fast ein Drittel auf 4,7 Milliarden Mark legte der Provisionsüberschuss zu. Das Handelsergebnis verbesserte sich um über ein Drittel auf gut eine Milliarde Mark. Unter dem Strich ergibt das ein Betriebsergebnis nach Risikovorsorge von 3,7 Milliarden Mark. Das bedeutet eine Verfünffachung gegenüber 1999. Dadurch erhöhte sich 2000 nach Steuern und vor Goodwill-Abschreibungen im BHV-Konzern die Eigenkapitalrentabilität von 3,6 auf 9,2 Prozent. Für 2003 hat Schmidt bereits früher eine Quote von "mit Sicherheit nicht unter 15 Prozent" angekündigt. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,85 Euro auf die Stämme und 0,90 Euro auf die Vorzüge erhalten.

Mit dem Ergebnis des Vorjahres bewege sich seine Bank "klar auf Zielkurs", sagte der Vorstand nun. Die Voraussetzungen für gezieltes Wachstum und eine weitere Steigerung der Profitabilität seien geschaffen. Mit der Übernahme der Bank Austria sei die Bank zudem ihrem Ziel, sich in Europa als eine "Bank der Regionen" zu platzieren, ein großes Stück näher gekommen, sagte Schmidt. 2001 wolle der Konzern auch seine Position als führende "Privatkundenbank moderner Prägung" ausbauen. 2000 stieg die Bilanzsumme inklusive Bank Austria im BHV-Konzern um 42 Prozent auf 1,4 Billionen Mark. Die Börse reagierte positiv: In einem zu Handelsbeginn unter Druck stehenden Dax konnte die BHV-Aktie nach Bekanntwerden der vorläufigen Jahreszahlen zunächst gegen den Trend leicht zulegen.

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