Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank durchkreuzt Pläne der Deutschen Bank

fo/HB

Das Angebot der Münchener Hypo-Vereinsbank, dem Medienunternehmer Leo Kirch seine 40-prozentige Beteiligung an der Axel Springer Verlag AG für etwa 1,1 Milliarden Euro abzunehmen, hat die Pläne der Deutschen Bank mit dem Medienunternehmen durchkreuzt. Das Frankfurter Geldinstitut müsste nun einen höheren Preis bieten.

Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt hat nach Einschätzung in Bankenkreisen kein Interesse an einer Zerschlagung des mit fast sechs Milliarden Euro hochverschuldeten Unternehmens. Seine Bank pflegt seit langem enge Geschäftsbeziehungen mit Kirch und zählt mit einem Kredit von etwa 460 Millionen Euro zu den großen Gläubigern.

Nach Informationen des Handelsblatts gehört auch die Commerzbank mit rund 300 Millionen Euro zu diesem Kreis. Bislang war immer betont worden, die Bank sei nicht signifikant finanziell engagiert. Zudem steht Kirch bei der DZ-Bank mit etwa 400 Millionen Euro in der Kreide. Die beiden Investment-Banken Lehman Brothers und JP Morgan Chase sind mit rund 250 und 750 Millionen Euro weitaus stärker engagiert als bisher bekannt. Donnerstag soll ein Treffen sein, auf dem sich die Vorstände einen Überblick verschaffen wollen.

Hypovereinsbank-Chef Schmidt istwie andere Banker sehr verärgert darüber, dass Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer vor wenigen Tagen öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Frage gestellt hatte. Das Ziel der Deutschbanker lautet möglicherweise: Durch Verkauf der Übertragungsrechte an der Formel 1, an der Fußball-Bundesliga sowie des Fernsehsenders ProsiebenSat 1 und des (allerdings defizitäten) Bezahlfernsehens Premiere World soll das Kerngeschäft der Mediengruppe, der Handel mit Filmrechten, gesichert werden.

Bei der Deutschen Bank hat Kirch Kredite von mehr als 600 Millionen Euro, die mit seiner Springer-Beteiligung abgesichert sind. Übernähme die Hypo-Vereinsbank Kirchs Springer-Aktien, würde vermutlich auch der Deutsche-Bank-Kredit mit abgelöst. Kirch hatte das Paket gegen den Willen der Hauptaktionärin Friede Springer erworben. Die Familie des Verlagsgründers ist offenbar bereit zehn bis 15 Prozent der Aktien zurückzukaufen. Jetzt hält sie 50 Prozent plus eine Aktie und sichert damit den Einfluß auf das Verlagshaus.

Kirch Finanzproleme wurden durch die Forderung des Springer-Verlags ausgelöst, seine 11,5prozentige Beteiligung am Fernsehsender ProsiebenSat 1 für 767 Millionen Euro an Kirch zurückzugeben. Darüber hinaus ist ein Kredit der Dresdner Bank an Kirch über rund 460 Millionen Euro in wenigen Wochen fällig. Mit dem Angebot der Hypo-Vereinsbank könnte Kirch zumindest diese aktuellen Verpflichtungen erfüllen. Darüber hinaus will Medienunternehmer Kirch seinen 25-prozentigen Anteil am spanischen Fernsehsender Telcinco veräußern. Laut Handelsblatt wird darüber mit dem vom italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Medienkonzern Mediaset verhandelt. Der Kaufpreis wird auf 400 bis 500 Millionen Euro veranschlagt. Mediaset besitzt 40 Prozent an Telecinco und will bis auf 49 Prozent aufstocken. Deren Wert wird auf 600 Millionen Euro geschätzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben