Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank streicht mehr Stellen als geplant

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Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB) AG, München, verschärft ihren Stellenabbau und organisiert ihr Management neu. In den kommenden Jahren will die zweitgrößte Privatbank Deutschlands hier zu Lande die Zahl ihrer Standorte um fast ein Drittel auf 610 reduzieren und bis Ende 2004 rund 2200 Stellen streichen, kündigte HVB-Chef Albrecht Schmidt am Donnerstag in München an.

Damit stehen bei der HVB nun rund 1700 zusätzliche Stellen auf der Streichliste, so dass insgesamt 9100 Arbeitsplätze wegfallen. Damit wird jede achte der gut 71 000 HVB-Stellen gestrichen. "Aus heutiger Sicht" sei der Abbau nun abgeschlossen, sagte Finanzchef Wolfgang Sprißler. Keine Auskunft geben wollten er und Schmidt über die Folgen der engeren Zusammenarbeit zwischen der HVB und der zur Münchener Rückversicherungs-AG gehörenden Ergo-Versicherungsgruppe. Dieses Konzept werde erst Ende des Jahres erläutert.

Die Kosten des Umbaus bezifferte Sprißler auf 880 Millionen Euro, die zumindest teils durch die Auflösung von Reserven beglichen würden. In Deutschland verlieren dadurch 3000 Mitarbeiter vor allem in den Filialen ihre Stelle. Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, räumte Schmidt ein. 6000 Stellen werden im Ausland gestrichen. Auch das Topmanagement wird verschlankt. Mit einer Neugliederung in fünf, vom Zuschnitt her völlig neue Geschäftsfelder will Schmidt "ein Ende der Doppelsteuerung" erreichen und Entscheidungen marktnäher machen.

Ab 2002 sollen die Geschäftsfelder in die Regionen Deutschland sowie Österreich und Osteuropa aufgeteilt werden. Global ausgerichtet sind die drei Bereiche Immobilienfinanzierung, Kapitalmärkte und Vermögensverwaltung. Bislang würden die Geschäfte oft doppelt nach regionalen und operativen Gesichtspunkten gemanagt, was komplexe Strukturen und zu viele Abstimmungsprozesse erfordert habe, sagte Schmidt.

Trotz dieser neuen Struktur, die der HVB-Chef als "Schlussstein" des laufenden "Innenausbaus" seiner Bank sieht, bleibt es aber bei den bisher angekündigten Synergieeffekten und Kosteneinsparungen von 1,2 Milliarden Euro bis Ende 2004. Bis dahin soll auch die Eigenkapitalrednite auf 15 Prozent steigen. Durch die neue Führungsstruktur werde das Erreichen dieser Ziele "ein gutes Stück sicherer", begründete Schmidt das Vorhaben. Das schafft auch einen neuen, mit noch sechs Bankern besetzten Zentralvorstand, den Schmidt als "virtuelle Holding" bezeichnete. Im juristischen Sinn werde keine Holding gegründet, weil das rechtlich und mit Blick auf Kapitalerfordernisse nicht möglich sei. Gleichwohl halbieren die Bayern damit ihren Vorstand, der bisher zwölf Manager umfasst. Das verringert zugleich die Zahl der Nachfolgekandidaten für Schmidt, der 2003 in Rente gehen will.

Als Gewinner des Umbaus gilt Stefan Jentzsch (41), der künftig das Geschäftsfeld Vermögensverwaltung verantwortet und die neu geschaffene Position eines Risikomanagers übernimmt. Als Kronprinzen wollte ihn Schmidt aber nicht ausrufen. Es gebe noch andere hochkarätige Kollegen im Haus. Näher als die Nachfolgediskussion liegen ihm Ertragssteigerungen. Denn bislang ist das Nachsteuerergebnis in diesem Jahr um 37 Prozent auf 722 Millionen Euro eingebrochen. Damit ist die Eigenkapitalrendite gegenüber dem Halbjahr von 7,4 auf 5,8 Prozent gesunken. Ursprünglich hatte Schmidt zehn bis zwölf Prozent angestrebt.

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