IFA 2008 tritt mit neuem Konzept an : Kann man den auch abschalten?

Flache Fernseher und schicke Kaffeeautomaten - die Kunden fragen immer öfter nach den Stromkosten.

Corinna Visser
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Ifa 2008: Ab dem 29. August können sich Freunde der Unterhaltungselektronik über Neuheiten informieren. -Foto: ddp

Nicht Showgrößen wie Thomas Gottschalk sind die Stars der diesjährigen Ifa, sondern Fernsehköche wie Tim Raue oder Alfons Schubeck. Erstmals werden auf der Messe neben flachen Fernsehern und schicken Hifi-Anlagen auch Kühlschränke und Kaffeeautomaten gezeigt. Jürgen Boyny, Experte für Unterhaltungselektronik beim Marktforschungsinstitut GfK, hält die Erweiterung für sinnvoll. „Die Ifa ist die größte Ordermesse für den Elektrofachhandel – und der führt neben der Unterhaltungselektronik eben auch Haushaltsgeräte.“ So wird die Ifa vom Start weg zugleich die größte Messe für Haushaltselektronik sein.

Waren im Wert von 2,75 Milliarden Euro wurden 2007 auf der Ifa geordert. Das wollen die Veranstalter 2008 noch übertreffen. Mit spektakulären technischen Revolutionen – wie etwa der Einführung des Farbfernsehens – können die Aussteller diesmal nicht aufwarten. Dennoch ist die Nachfrage besonders nach flachen TV-Geräten hoch – und es gibt noch erhebliches Wachstumspotenzial. Statistisch gesehen stehen in jedem deutschen Haushalt 1,7 TV-Geräte. Das ist wenig im Vergleich zu anderen Ländern Westeuropas. In England etwa sind es im Schnitt 2,5 Fernseher.

Nachholbedarf gibt es auch in technischer Hinsicht: Laut GfK liegt die Ausstattungsquote mit Flachbildfernsehern in Deutschland derzeit bei knapp 30 Prozent und wird 2009 voraussichtlich die Marke von 50 Prozent erreichen. „2008 wird ein hervorragendes Jahr für die Unterhaltungselektronik mit einem Plus von vier Prozent“, sagt Boyny. Vor allem die Fußball-EM habe für gute Geschäfte gesorgt. Das heißt aber auch: „Die Wachstumskurve wird flacher und 2009 erwarten wir ein schwieriges Jahr – ohne großes Fußball-Event, nennenswerte Innovationen und bei hohen Energiepreisen.“

Die Kunden kaufen zwar Geräte mit immer größeren Bildschirmen. „Sie fragen aber auch immer öfter: ,Kann ich den auch abschalten?’“, sagt Boyny. Das Thema Energieeffizienz werde ein zentrales Thema der Ifa sein. Ohne Nachfragen erfährt man über den Stromverbrauch der Geräte allerdings auch nichts, denn im Gegensatz zu Waschmaschinen, Trocknern oder Kühlschränken gibt es bei Unterhaltungselektronik noch kein Energielabel.

Dabei lohnt sich der Vergleich: „Bei Flachbildfernsehern gibt es sehr große Unterschiede im Stromverbrauch“, sagt Corinna Fischer, Referentin für energieeffiziente Produkte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. So verbrauchten Plasma- Bildschirme bei gleicher Größe etwa doppelt so viel Strom wie ein LCD-Fernseher. „Wer sich ein neues Gerät kauft, sollte nicht nur den Anschaffungspreis, sondern die Kosten über den gesamten Lebenszyklus des Geräts betrachten“, rät die Expertin. Immerhin: Ab dem Jahr 2009 ist per EU-Verordnung geregelt, dass die Geräte im Standby-Modus nur noch weniger als ein Watt verbrauchen dürfen.

Ein weiteres wichtiges Thema der Ifa wird laut Boyny die Vernetzung sein: „Es gibt Lösungen für die Verbindung der neuen Geräte im Haus und die Frage, wie die Bilder in hochauflösender Qualität auf die Bildschirme kommen“, sagt er. Eine boomende Nachfrage nach den neuen Blu-Ray-Spielern erwartet der Experte dagegen nicht. Zwar hat sich die Industrie inzwischen auf BluRay als Nachfolger der DVD geeinigt. Aber es gebe keine erschwinglichen BluRay-Geräte, mit denen man Filme auch aufnehmen könne. Herkömmliche DVD-Rekorder lieferten dagegen schon jetzt hervorragende Bilder.

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