IFA 2009 : Chinesen machen Kühlschränke bunt

Haier will Nummer eins bei weißer Ware werden - auch wenn die gar nicht mehr weiß ist.

Corinna Visser

BerlinWas unterscheidet chinesische von deutschen Firmen? Die Antwort von Yang Mian Mian fällt kurz aus: „Flexibilität“, sagt die Präsidentin der Haier- Gruppe. Chinesische Firmen reagierten schneller auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Verbraucher. Ähnlich sei es aber auch bei den Kunden. Während die deutschen Verbraucher Kühlschränke und Waschmaschinen meist erst dann ersetzen würden, wenn sie kaputt sind, kauften chinesische Kunden neue Produkte, um auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. Auch bei Design und Farbe zeigt sich Haier flexibel: Hausgeräte heißen hierzulande weiße Ware, weil sie eben meistens weiß sind. Haier dagegen baut Kühlschränke in Schwarz, Grau, Rot, Crème und anderen Farben. Und sie haben eine Gefrierschublade, auf die man von außen zugreifen kann. Für diese Geräte hat Haier schon Design- und Innovationspreise gewonnen.

Haier verkauft inzwischen weltweit mehr Kühlschränke als jeder andere Hersteller. 14 Millionen Stück waren es 2008. Daneben produziert das chinesische Unternehmen auch Waschmaschinen, Klimaanlagen, Küchengeräte, Fernseher, Handys und Computer. 2008 setzte Haier mit 55 000 Mitarbeitern 17,5 Milliarden Dollar um. 2009 soll der Umsatz um zehn Prozent steigen. Wie man Kühlschränke baut, lernte Haier ursprünglich vom deutschen Hersteller Liebherr. Inzwischen entwickele Haier seine Produkte selbst, sagt Yang. Drei Prozent des Umsatzes investiere das Unternehmen in Forschung und Entwicklung. Yang ist bei Haier die Nummer zwei hinter dem Vorstandschef und unter anderem für die Umsetzung der Strategie verantwortlich.

Bereits 50 Prozent der Kühlschränke, die Haier verkauft, sind farbig. „Vor allem bei den Italienern sind die farbigen Geräte beliebt“, sagt Yang. Sie seien sogar fürs Wohnzimmer geeignet. In Italien hat Haier bereits seit 1990 seinen europäischen Hauptsitz – und eine Kühlschrankfabrik mit 150 Mitarbeitern. In Deutschland habe es das Unternehmen dagegen nicht so leicht, bei den Kunden anzukommen. „Die deutschen Konsumenten vergleichen neue Marken immer zuerst mit den Geräten von Miele“, sagt Yang. Aber der Name Haier werde auch in Deutschland immer bekannter. Seit September sponsort das Unternehmen die Handballer des TV Großwallstadt. 2008 Jahr kamen von den drei Millionen im deutschen Markt verkauften Waschmaschinen bereits 100 000 von Haier. In diesem Jahr will das Unternehmen deutlich zulegen und zum Beispiel bei Kühl- und Gefrierkombinationen einen Marktanteil von acht Prozent erreichen.

Die Internationale Funkausstellung Ifa sei für das Unternehmen eine hervorragende Plattform, um mit Händlern und Konsumenten in Kontakt zu kommen, sagt Yang. Vor allem das Thema Energieeffizienz habe sie auf der Messe besonders beeindruckt – und wie viele besonders sparsame Geräte der Klasse A++ es bereits gebe.

China ist für Haier nach wie vor der wichtigste Markt. Doch das Unternehmen will weltweit zur Nummer eins bei weißer Ware werden. Noch liegt der US-Hersteller Whirlpool vorn. „Es ist wichtig, die Nummer eins zu sein“, sagt Yang. „An die Nummer zwei kann sich schon niemand mehr erinnern.“

Derzeit befinde sich das Unternehmen mitten in einem Transformationsprozess. Der 1000-Tage-Plan soll im April 2010 vollendet sein. Bis dahin soll Haier von einem Hersteller von Produkten zu einem Anbieter von Lösungen werden. „Unsere Mitarbeiter sind dabei besonders wichtig, denn sie haben den Kontakt mit den Kunden“, sagt Yang. Auch die Mitarbeiter müssen sich umstellen: Jeder werde künftig nach seiner individuellen Leistung bewertet.

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