Wirtschaft : IG-Metall-Chef attackiert Daimler-Chrysler

Sparpläne zerstörten Unternehmenskultur

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Berlin Im Kostenstreit bei Daimler-Chrysler schlägt die IG Metall zurück. Der baden-württembergische Gewerkschaftschef Jörg Hofmann wirft dem Management vor, die „sozialpartnerschaftliche Kultur des Unternehmens zu zerstören“. Mit der Drohung, die Fertigung der C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu verlagern, wenn die Arbeitnehmer nicht Einbußen im Wert von 500 Millionen Euro hinnehmen, verabschiede sich das Unternehmen vom Prinzip der „einvernehmlichen Maßnahmen“. „Was jetzt passiert, ist dramatisch“, sagte der Stuttgarter IG-Metall-Chef dem Tagesspiegel. Die Sparpläne des Daimler-Chrysler-Vorstands sieht er im Zusammenhang mit der Verlängerung der Arbeitszeit in zwei Siemens-Werken: „Siemens beflügelt die dazu, uns anzugreifen.“

Das Management will unter anderem die bezahlte Pause von fünf Minuten je Stunde sowie die Zuschläge für Spätschichten abschaffen. Falls Betriebsrat und IG Metall nicht mitmachen, soll die nächste Generation der C-Klasse von 2007 an in Bremen (1200 Autos am Tag) und Südafrika (300) produziert werden. Im Stammwerk Sindelfingen würden in dem Fall 6000 Arbeitsplätze überflüssig.

Hofmann zufolge geht es Mercedes-Chef Jürgen Hubbert „nur um die Erhöhung des Gewinns“. Die Umsatzrendite von gegenwärtig sechs bis sieben Prozent solle mit dem Sparbeitrag der Beschäftigten auf acht Prozent steigen. Mercedes-Benz habe zuletzt 3,5 Milliarden Euro verdient und nicht zuletzt das Stammwerk in Sindelfingen habe „manche nicht so erfolgreiche Aktivität des Managements und die Internationalisierung finanziert“, meinte Hofmann mit Blick auf Chrysler und Mitsubishi. Da Mercedes insgesamt gut verdiene, sollte man nicht über Kostensenkung in Sindelfingen, sondern über „einen Angleichung nach oben“ in Bremen nachdenken. „Die Zeiten sind gut, wir sind doch nicht im Jammertal“, sagte Hofmann. In Bremen arbeiten die Metaller 1,6 Stunden länger als in Baden-Württemberg und bekommen etwas geringere Zuschläge.

Die Einschätzung von Mercedes-Chef Hubbert, der am Montag von „der baden-württembergischen Krankheit“ gesprochen hatte, nannte Hofmann „eine Frechheit“. Die hohe Produktivität in Baden-Württemberg hänge vielmehr auch mit den Erholungszeiten zusammen. Im Übrigen seien Arbeitslosenquote und Wachstumsrate in Norddeutschland und auch Bremen deutlich schlechter als im Südwesten. Die Mercedes-Belegschaften ließen sich im zudem „nicht auseinander dividieren“, sagte Hofmann, „denn sonst ist morgen die Belegschaft in Bremen dran“. Am kommenden Donnerstag hat die IG Metall die rund 160000 Daimler-Chrysler-Beschäftigten in Deutschland zu Protestaktionen aufgerufen. Trotz des lauter werdenden Streits gehen unterdessen die Verhandlungen in Stuttgart weiter und sollen Hofmann zufolge noch vor der Sommerpause beendet werden. Allerdings befürchte er, dass „wir nicht zu einem Ergebnis kommen“. alf

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