IHK Berlin : "Verschwendung und schlechtes Management"

Kritiker werfen der IHK Berlin unsolides Finanzgebaren vor – doch die Kammer kontert.

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sieht sich Kritik an ihrer Finanzpolitik ausgesetzt. „Die Kammer wird schlecht gemanagt“, findet Kai Boeddinghaus. Es gehe nicht an, „dass sich die Kammerbürokratie mit unseren Zwangsbeiträgen die Taschen füllt“. Boeddinghaus ist Geschäftsführer des Bundesverbandes für freie Kammern (BffK), eine rund 1200 Mitglieder zählende Organisation, die ein Ende der Pflichtmitgliedschaft in IHKs und Handwerkskammern verlangt. An diesem Sonnabend trifft sich der Verband in Berlin.

Die Kritik richtet sich vor allem dagegen, dass die IHK laut Boeddinghaus 20 Prozent ihres Etats in Rücklagen steckt, vor allem für Pensionen und den Schuldendienst für das Ludwig-Erhard-Haus, die IHK-Zentrale in der Fasanenstraße. Es sei „abenteuerlich“, dass die IHK einerseits Steuersenkungen vom Staat fordere, andererseits aber freigiebig mit den Beiträgen der Mitglieder umgehe. Die Pensionszusagen an die IHK-Beschäftigten seien viel zu üppig – es genüge, wenn die sich wie alle Angestellten Rentenansprüche bei der Rentenversicherung erwerben würden.

Als weiteren teuren Posten vermutet der BffK die Kosten für das in den 90er Jahren zu teuer gebaute Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstraße. Zur Not müsse sich die Kammer von dem Haus wieder trennen, sagte Boeddinghaus. Ohnedies müsse der Landesrechnungshof „das gesamte Finanzgebaren“ der IHK prüfen. Auch andere Kammern gingen verschwenderisch mit den Beiträgen ihrer Mitglieder um. „Viele Organisationen haben sich völlig verselbständigt.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder wies die Kritik zurück. „Wir sind die schlankste Kammer der Republik“, sagte er dieser Zeitung. Nirgends gebe es gemessen an der Mitgliederzahl so wenig Beschäftigte. Auch der Vorwurf zu hoher Pensionen treffe nicht zu. „Jeder moderne Betrieb hat ein eigenes Betriebsrentensystem“, sagte er. Bei der IHK gebe es zwar noch „Altlasten“ aus der Zeit bis 2003 mit hohen Pensionszusagen. „Seitdem ist unser System aber sehr bescheiden. Doch auch inklusive der Altlast kommen unsere 200 Rentner und die 230 aktuell Beschäftigten auf eine durchschnittliche Betriebsrente von 400 Euro im Monat. Das ist alles andere als üppig.“ Auch die Finanzierung des Ludwig-Erhard-Hauses sei ein Relikt. „Wir haben einen 30 Jahre laufenden Leasingvertrag, da kommen wir nicht raus“, befand Eder. Man habe die Leasingraten aber bereits beträchtlich reduziert.

Der IHK-Chef findet das „Demokratieverständnis“ seiner Kritiker zweifelhaft. „Die Frage der Zwangsmitgliedschaft ist politisch entschieden, alle Parteien haben sich dafür ausgesprochen.“ Ohne die IHK müsse die Berufsausbildung von einer neuen Behörde geregelt werden. „Und wenn statt uns die Bezirksämter die Wirtschaft betreuen sollen, wünsche ich allen viel Glück.“ 

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