ILA : Fertig zum Abflug

Bundeskanzlerin Merkel eröffnet die ILA in Berlin, die mit 1100 Ausstellern einen neuen Rekord aufstellt.

Juliane Schäuble
ILA
Flughafen Schönefeld. Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung und begrüßte die...Foto: dpa

Berlin - Kurz vor der Landung der Kanzlerin zeigt der Eurofighter noch einmal, was er drauf hat. Einem Papierflieger gleich dreht er Pirouetten, schraubt sich senkrecht in den Himmel, um sich dann unter ohrenbetäubendem Getöse wieder Richtung Erde fallen zu lassen. Das Timing passt: Angela Merkel ist mit dem Prestigeobjekt der europäischen Rüstungsindustrie fast auf Augenhöhe, bevor ihr Hubschrauber am Dienstagmittag auf der Wiese vor dem Ausstellungsgelände landet. Ein paar Minuten noch, dann wird sie die entscheidenden Worte sagen: „Ready to take off: Die ILA ist eröffnet.“

Die Branche hat zur diesjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) alles aufgefahren, was sie zu bieten hat. Auf dem Freigelände steht eine Maschine neben der anderen: die amerikanische Air Force neben der deutschen Luftwaffe, dazwischen das weltgrößte Passagierflugzeug, der Airbus A 380, die indische Hubschrauberstaffel nicht weit von ungarischen und Schweizer Abordnungen. In den komplett ausgebuchten Messehallen präsentieren sich die mittelständischen Zulieferer genauso wie die großen Konzerne, die Europäische Weltraumbehörde ESA zeigt ein unbemanntes MondLandefahrzeug. Gut 300 Fluggeräte warten auf die mehr als 200 000 Besucher, mit denen die Veranstalter bis einschließlich Sonntag auf dem Südgelände des Flughafens Schönefeld rechnen.

Angela Merkel darf sie als eine der Ersten bewundern. Sie beginnt, ganz geschichtsbewusste Kanzlerin, bei der Gedenkausstellung zur Luftbrücke, vor einem historischen Rosinenbomber. Den anwesenden Veteranen schüttelt sie die Hände und bedankt sich für deren mutigen Einsatz vor 60 Jahren. Zu viel mehr reicht die Zeit nicht, die nächsten Termine auf dem 90-minütigen Eröffnungsrundgang warten. An der Seite von Thomas Enders, Airbus-Chef und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, durchschneidet sie ein flatterndes Band: Die indische Fluggesellschaft Jet Airways erhält ihren neuen Airbus A 330. Indien ist das Partnerland, der umworbene Ehrengast in diesem Jahr. Die europäische Industrie spekuliert auf gute Geschäfte in der Zukunft mit „einem der am raschesten wachsenden Luftfahrtmärkte der Welt“, wie Enders betont. So will etwa der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS Indien 120 Eurofighter verkaufen – gute Stimmung in den bilateralen Beziehungen kann da nicht schaden.

Merkel demonstriert sichtbar gute Laune, immer wieder fragt die promovierte Physikerin interessiert nach. Trotzdem trifft sie, für Messerundgänge eher unüblich, sogar noch vor dem Zeitplan an den Ständen ein. An ihrer Seite marschiert neben vielen anderen auch Industriepräsident Jürgen Thumann. Große Geschäfte erwartet er weniger. „Die ILA ist vor allem eine Kontaktmesse und damit gerade für den Mittelstand sehr interessant.“

Etwas irritiert wirkt der eine oder andere Fachbesucher beim Betreten des ILA-Geländes. Die provisorischen Wege und Gebäude rund um die Zugangskontrollen zeugen deutlich davon, dass die diesjährige ILA auf einer Baustelle stattfindet. Die Veranstalter nehmen das gelassen: Immerhin verzeichnet die Schau mitten in der Ausbauphase des Flughafens Schönefeld zum BBI mit mehr als 1100 Ausstellern einen neuen Rekord.

Die Kanzlerin bekommt von der Umgebung ohnehin nicht viel mit. Nachdem sie noch kurz bei den weiblichen Nachwuchsflugkräften der Luftwaffe vorbeigeschaut hat, entschwindet ihr Hubschrauber wieder in den mittlerweile sonnigen Brandenburger Himmel.

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