Wirtschaft : Im April 2002 soll die zweitgrößte Bank der Welt in Japan entstehen

In Japan zeichnet sich eine Fusion der beiden Großbanken Sumitomo Ltd. und Sakura Ltd. zum zweitgrößten Geldinstitut der Welt ab. Beide Banken bestätigten nach entsprechenden Presseberichten am Donnerstag Gespräche über eine weitreichende Allianz. Laut japanischen Medienberichten befinden sich die beiden Finanzinstitute bereits in Schlussverhandlungen über eine Fusion für April 2002. Im Zuge der Fusion würden 151 Niederlassungen in Japan sowie 32 im Ausland geschlossen. Bis Ende März 2002 sollen 6300 Arbeitsplätze gestrichen werden, in den beiden Folgejahren weitere 3000 Stellen.

Gelingt die Fusion, entstünde ein Bankenriese mit einer Bilanzsumme von fast hundert Billionen Yen (knapp 1,7 Billionen Mark), der den bisherigen Branchenführer Deutsche Bank mit 899 Milliarden Dollar in den Schatten stellen und nur noch von der angekündigten Dreier-Fusion der japanischen Geldhäuser IBJ, Dai-Ichi Kangyo und Fuji Bank mit 140 Billionen Yen Bilanzsumme übertroffen würde.

Am Morgen hatten Sakura und Sumitomo noch mitgeteilt, dass vor der Entscheidung über eine Zusammenarbeit noch Fragen wie die Beseitigung der notleidenden Kredite der Sakura Bank, Japans Nummer Fünf, geklärt werden müssten. Bei Aktiva von 47,2 Billionen Yen wird die Sakura-Bilanz von rund 1,8 Billionen Yen fauler Kredite belastet. Die Sumitomo Bank rangiert mit 51,5 Billionen Yen auf Platz drei und sitzt auf rund zwei Billionen Yen Verbindlichkeiten.

Finanzminister Kiichi Miyazawa bezeichnete die Pläne von Sumitomo und Sakura als unvermeidlich. Auch die Bankenaufsicht in Tokio begrüßte sie ausdrücklich; Analysten reagierten euphorisch. Die Aktien beider Banken legten an der Tokioter Börse zweistellig zu. Japan sei ins "Zeitalter der Megabanken" eingetreten, schrieb die Finanzzeitung "Nihon Keizai Shimbun".

Japans Finanzminister Kiichi Miyazawa nannte die Fusion einen "unvermeidlichen Schritt". Er habe sich nicht vorstellen können, dass der Umbau der Bankenbranche derart schnell vorangehen würde. Der Fusionswettlauf der Finanzkonzerne könnte die gesamte Industriestruktur des Landes aufbrechen. Die Sakura-Sumitomo-Allianz werde das Vertrauen der Anleger in das Finanzsystem stärken und weitere Institute zu ähnlichen Schritten ermuntern, sagte der Chef der Finanzaufsicht, Michio Ochi.

Analysten bejubelten die Nachricht als "Renaissance" des lange Zeit maroden japanischen Bankensektors. Der Zusammenschluss von Sakura und Sumitomo dürfte nach ihrer Ansicht den Konsolidierungsprozess im japanischen Finanzsystem weiter beschleunigen. Brian Waterhouse von HSBC sagte: "Die gesamte Banken- und Finanzlandschaft verändert sich geradezu dramatisch; die Banken können jetzt nicht mehr einfach herumsitzen und nichts tun." Über Sakura könnte die zum Sumitomo-Konglomerat gehörende Sumitomo Bank zum Beispiel Zugang zur Mitsui-Gruppe erhalten, einem der großen Standardwerte Japans und Sakura Eigner. So sei denkbar, dass sich die Versicherungssparten von Mitsui und Sumitomo der neuen Finanzgruppe anschlössen. Die Allianz der beiden Banken zeige darüberhinaus, wie das traditionelle Geflecht zwischen Unternehmensgruppen und ihren Kernbanken angesichts des Wettbewerbsdrucks Bedeutung verliert.

"Das ist eine wundervolle Nachricht", kommentierte James Fiorillo von ING Barings in Tokio. Dennoch stehe die Bankindustrie erst am Anfang einer tiefgreifenden Umstrukturierung. Das Zusammengehen von Sumitomo Bank und Sakura Bank werde weitere Banken und Finanzgruppen zu Allianzen drängen. Für Nozomu Kunishige, Analyst bei Lehman Brothers, wurden bereits die beiden Banken von der Marktentwicklung gezwungen: Die im August angekündigte Dreier-Fusion von IBJ, Dai-Ichi und Fuji sei der eigentliche Motor hinter der jüngsten Allianz-Entscheidung.

Die japanischen Banken haben erhebliche Probleme mit faulen Krediten aus vergangenen Jahren; die Zusammenschlüsse werden daher auch als Defensivmaßnahme zur Sanierung der Branche gesehen. Die Sumitomo Bank, einst aus der mächtigen Sumitomo-Handelsgruppe hervorgegangen, gilt als Allround-Anbieter, während die an die Mitsui-Gruppe angelehnte Sakura-Bank als eine der letzten großen Handelsbanken Japans agiert, die mit 15 Millionen Privatkunden über das größte Netz in Japan verfügt, aber noch keine einschneidende Umstrukturierung vollzogen hat. Sumitomo verfügt über knapp 15 000 Mitarbeiter, Sakura über 16 330 Beschäftigte. Zusammen verfügen sie über ein riesiges Netz von 700 Filialen.

Die Sakura Bank war kürzlich eine Kooperation mit der Deutschen Bank im Wertpapiergeschäft in den Bereichen Aktien und Renten sowie dem Emissionsgeschäft eingegangen. Da eine umfangreichere Allianz jedoch nicht zu Stande gekommen sei, so meinen Beobachter, habe die Sakura Bank Gespräche mit Sumitomo aufgenommen.

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