Im Wortlaut : Brief der Air-Berlin-Chefs an alle Mitarbeiter

Spätestens ab 28. Oktober stellt Air Berlin den eigenen Flugbetrieb ein. Das haben die Chefs der Air Berlin allen Mitarbeitern am Montag mitgeteilt. Hier Auszüge der E-Mail im Wortlaut.

"Mit vielen Grüßen": Vorstandschef von Air Berlin Thomas Winkelmann (links) und Air Berlins Generalbevollmächtigter Frank Kebekus, hier bei einer Pressekonferenz Ende September 2017, haben den Mitarbeiterbrief unterschrieben.
"Mit vielen Grüßen": Vorstandschef von Air Berlin Thomas Winkelmann (links) und Air Berlins Generalbevollmächtigter Frank Kebekus,...Foto: Paul Zinken/dpa

Liebe airberliner,

er Investorenprozess für die airberlin tritt in dieser Woche in seine entscheidende Phase. Am Donnerstag, 12. Oktober, endet die mit der Lufthansa-Gruppe und easyJet vereinbarte Exklusivität für die Verhandlungen zum Erwerb von Vermögenswerten der airberlin. Wir verhandeln seit Wochen intensiv. In wenigen Tagen werden wir mehr wissen.

In der kommenden Woche endet dann die Bieterfrist für die airberlin technik. Hier sind wir nach wie vor zuversichtlich, Investoren zu finden, die am Erwerb von Vermögenswerten und der Fortführung des Unternehmens gleichermaßen interessiert sind.

Diese bevorstehenden Wegmarken im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nehmen wir zum Anlass, Euch heute einen Überblick über die nächsten, nun anstehenden Schritte zu geben:

Verhandlungen zum Interessenausgleich

Insolvenzrechtlich ausgedrückt: In dem am 15. August 2017 eingeleiteten Insolvenzantragsverfahren ist eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs aufgrund der hohen Verluste, die derzeit und prognostiziert dauerhaft entstehen, unmöglich und unzulässig.

Wir haben Euch daher mit der internen Mitteilung vom Donnerstag, 5. Oktober, informiert, dass wir mit den zuständigen Personalvertretungen, Betriebsräten bzw. dem Gesamtbetriebsrat innerhalb der Luftverkehrs KG nun Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan aufnehmen. Diese Verhandlungen haben heute begonnen.

Die nächsten Schritte im Insolvenzverfahren Derzeit befinden wir uns nach der Anmeldung zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vom 15. August in einem sogenannten Insolvenzantragsverfahren. Das Amtsgericht Charlottenburg wird auf Grundlage des vom vorläufigen Sachwalter, Prof. Lucas Flöther, erstellten Gutachtens über die Eröffnung des Verfahrens entscheiden. Damit rechnen wir spätestens zu Ende Oktober 2017.

Insolvenzrechtlich bedeutet das:

- Im Rahmen des eröffneten Insolvenzverfahrens ist eine Betriebsfortführung rechtlich nur zulässig, wenn durch die Betriebsfortführung keine Masseschmälerung zu Lasten der Gläubiger eintritt. Anfallende Verluste könnten finanziell und dürften insolvenzrechtlich nicht durch die Insolvenzmasse getragen werden.

- Nach Abschluss der Kaufverträge über die von den Bietern zu erwerbenden Teile der airberlin muss daher das Unternehmen die eigene Geschäftstätigkeit Zug um Zug beenden.

Für die Luftverkehrs KG bedeutet das:

- Alle Kaufverträge müssen kartellrechtlich geprüft und genehmigt werden. Zuständig dafür ist die Wettbewerbskommission der Europäischen Union in Brüssel. Dieser Vorgang wird mehrere Wochen oder Monate dauern.

- Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen zur Ausgestaltung der nächsten Schritte sind heute gestartet und werden zeitnah fortgesetzt.

- Ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr (also Flugverkehr unter dem IATA-Airline-Code AB) im eröffneten Insolvenzverfahren ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich.

- Für den Zeitraum bis zur kartellrechtlichen Genehmigung werden durch die airberlin Dienstleistungen im Bereich des sogenannten Wet Lease erbracht.

- Der Flugverkehr der nicht insolventen Unternehmensteile NIKI und LGW wird weitergeführt.

Die Chefetage: Sachwalter Lucas Flöther (von links nach rechts), Thomas Winkelmann, Vorstandschef, und Frank Kebekus, Generalbevollmächtigter bei Air Berlin - hier bei ihrer bisher ersten und letzten Pressekonferenz am 25. September in Berlin.
Die Chefetage: Sachwalter Lucas Flöther (von links nach rechts), Thomas Winkelmann, Vorstandschef, und Frank Kebekus,...Foto: REUTERS/Stefanie Loos

Gute Chance auf neue Arbeitsplätze

Die voraussichtlichen Erwerber von Teilen der airberlin haben vorgesehen, in erheblichem Maße neue Mitarbeiter einzustellen. Allein die Lufthansa-Gruppe hat bei ihrer Tochter Eurowings bereits über 1.000 Stellen ausgeschrieben. Wir erwarten weitere Stellenausschreibungen in großer Zahl nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen.

Nicht jeder airberliner wird jedoch bei den Käufern eine neue Anstellung finden. Wir möchten Euch daher ausdrücklich ermutigen, Euch aktiv auf dem Arbeitsmarkt umzuschauen. Wir unterstützen Euch dabei nach Kräften und haben daher bereits in dieser Woche zwei Jobmessen für Euch organisiert. Nutzt diese Angebote.

Ein großer Vorteil: Ihr könnt mit Vertretern der Unternehmen persönlich sprechen, Euch über offene Stellenangebote informieren und bei Interesse direkt bewerben. Ein wichtiger Tipp: Ihr solltet ein paar Kopien des aktuellen Lebenslaufes dabei haben.

Die folgenden zwei Jobmessen richten sich an alle airberliner am Boden und in der Luft, unabhängig von Ihrem aktuellen Tätigkeitsbereich:

(An dieser Stelle werden den Mitarbeitern konkrete Zeiten und Orte für die "Job-Messen" genannt. Diese Veranstaltungen sind allerdings nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Daher dokumentieren wir die Termine hier nicht. Arbeitgeber, die sich den Air-Berlin-Mitarbeitern präsentieren möchten, müssten Kontakt mit der Zentrale aufnehmen. Telefon: +49 (0)180 6 334 334. Die Hotline ist kostenpflichtig. Aus dem Festnetz zahlt man 0,20 Euro pro Anruf, aus dem deutschen Mobilfunknetz: maximal 0,60 Euro pro Anruf.)

4000 offene Stellen beim Land Berlin

Bei der Verwaltung des Landes Berlin sind derzeit rund 4.000 Stellen nicht besetzt. Der Berliner Senat hat angekündigt, den airberlinern freie Stellen im Berliner Landesdienst anzubieten, teilte Berlins Senatskanzleichef Björn Böhning kürzlich mit. Wir haben den Berliner Senat eingeladen, für die airberliner ebenfalls eine Jobmesse zu organisieren.

Wir werden die kommenden Tage nutzen, in den abschließenden Verhandlungen mit den Bietern bestmögliche Ergebnisse für die airberlin und ihre Beschäftigten zu erreichen. Wir werden Euch über die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan auf dem Laufenden halten.

Mit vielen Grüßen

Thomas Winkelmann, CEO

Frank Kebekus, Generalbevollmächtigter

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