Wirtschaft : Immobilienfinanzierung: Interview: "Ein gewaltiger Kraftakt für die Sparer"

Was halten Sie von der Aufnahme des Wohneigentums

Andreas Zehnder ist Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Bausparkassen. Er vertritt 20 Institute, bei denen Bausparer im letzten Jahr 2,4 Millionen Verträge abschlossen.

Was halten Sie von der Aufnahme des Wohneigentums in die private Altersvorsorge?

Der Verband der privaten Bausparkassen hat sich dagegen ausgesprochen, weil wir der Auffassung sind, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Wir haben doch schon eine funktionierende Anspar-Förderung mit der Arbeitnehmer-Sparzulage und der Wohnungsbau-Prämie beim Bausparen.

Was kritisieren sie konkret an dem Modell?

Das Geld, das man in der privaten Altersvorsorge anspart und zum Eigentumserwerb oder zum Bauen demnächst entnehmen kann, wird bei der Finanzierung als Fremdkapital gewertet. Man benötigt aber Eigenkapital, das muss dann zusätzlich angespart werden - im Unterschied zum Bausparvertrag, wo das ausgezahlte Geld als Eigenkapital gilt. Dazu kommt, dass man den entnommenen Betrag spätestens bis zum 65. Lebensjahr wieder in die private Altersversorgung zurückzahlen muss, damit die private Rente nicht verloren geht. Das alles ist für den anvisierten Kundenkreis - die sogenannten Schwellenhaushalte mit einem Verdienst bis 60 000 Mark im Jahr - ein gewaltiger Kraftakt.

Sie sagen ja sogar, dass dieses Vorsorgemodell den Schwellenhaushalten Bau oder Erwerb eines Eigenheimes erschwert ...

Wir beklagen die Diskrepanz zwischen der Förderung in der privaten Altersvorsorge und der herkömmlichen Bausparförderung. Bei der privaten Altersvorsorge bekommt man nach einer Anlaufzeit von acht Jahren 40 bis 50 Prozent dessen, was man pro Jahr anspart, vom Staat dazu. Auf der anderen Seite haben wir die Wohnungsbauprämie, die schon dem Auszubildenden ab dem 16. Lebensjahr zur Verfügung steht. Die soll ja den Anreiz bieten, sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt, an dem das Menschen normalerweise noch gar nicht tun, mit der Altersvorsorge zu beschäftigen und mit dem Eigenkapitalaufbau zu beginnen. Diese Förderung beträgt aber nur zehn Prozent vom Höchstbetrag. Wir fordern nun wenigstens eine maßvolle Erhöhung auf 20 Prozent.

Bisher ohne Erfolg ...

Ja, und die Leute werden sich natürlich zunächst dahin orientieren, wo die Förderung am höchsten ist. Die FinanzdienstleistungsUnternehmen haben ja schon in ihrer Werbung kundgetan, dass sie da den großen Braten vor Augen sehen. Die werden zu Investmentfonds und Lebensversicherungen raten und nicht zu Wohneigentum. Wenn der Kunde dann endlich nach vielen Jahren zwischen 10 000 und 50 000 Euro auf seinem privaten Altersvorsorge-Konto hat, werden sie ihm aller Voraussicht nach nicht zureden, das Geld für Wohneigentum einzusetzen. Die genannten Branchen arbeiten doch mit dem Geld, sie haben kein Interesse daran, dass es abgezogen wird.

Ihr Modell ist dagegen der Bausparvertrag. Kritiker sagen, dass der eine hohe monatliche Belastung mit sich bringt, weil die Tilgungsdauer relativ kurz angesetzt ist ...

Der Bausparer hat die Wahl zwischen verschiedenen Tarifen. Die Langzeittarife haben eine erheblich längere Tilgungsdauer als Kurzzeittarife. Außerdem wollen viele Menschen eine Kombination aus langlaufender Hypothek und relativ kurz laufendem Bauspardarlehen, weil sie dann eine gute Mischung aus niedrigerer Monatsbelastung durch die Hypothek und frühzeitiger Entschuldung durch das Bausparen haben.

Ein zweiter Kritikpunkt ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt der Darlehenszuteilung. Wie können sich Bausparer da absichern?

Das ist ein Vorwurf, der den Bausparkassen vor zwanzig Jahren gemacht worden ist und zu dieser Zeit nicht unberechtigt war. Inzwischen geht er ins Leere. In den siebziger Jahren haben die Bausparkassen einen Riesenboom erfahren, weil der Einkommensanstieg damals sehr rasant war. Die Leute haben gut verdient und dann ans Eigenheim gedacht und Bausparverträge abgeschlossen. Als diese Welle wieder abebbte, wollten auf einmal weit mehr Leute Geld haben, als durch Spargelder und Tilgungen bei den Bausparkassen zur Verfügung stand. Deshalb kam es zu Verzögerungen bei der Zuteilung. Danach haben wir sogenannte Reservetöpfe gebildet, aus denen wir Geld nehmen können, um eine gleichmäßige Zuteilung der Bausparverträge zu gewährleisten, so dass diese Gefahr nur noch in der Theorie vorhanden ist. Die Zuteilungszeit der Bausparkassen ist in den letzten Jahren sogar eher zurückgegangen.

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall bietet ein so genanntes 4P-Modell an. Zu der gehört als viertes Prämienprodukt eine "riesterfähige" "UniProfiRente". Was halten sie davon?

Dieses 4P besteht ja nicht nur aus Produkten der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Das ist ein typisches Angebot eines Finanzverbundes. Es werden die Förder-Möglichkeiten, die es in Zukunft gibt - also die Arbeitnehmer-Sparzulage, die Wohnungsbauprämie und die Riester-Förderung - zu einem Paket geschnürt. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall steht damit nicht alleine. Andere Bausparkassen haben bereits ähnliche Konzepte, um dem Kunden die ganze mögliche Palette der geförderten Produkte anzubieten.

Werden die privaten Bausparkassen auch mit dem RiesterModell arbeiten?

Wir sind noch immer nicht begeistert davon. Wir haben allerdings die Hoffnung nicht verloren, dass die Politik den traditionellen Weg der Eigenkapitalförderung nicht vernachlässigen, sondern ebenfalls ausbauen wird. Außerdem gibt es Anzeichen, dass die Befürworter der Einbeziehung des Wohneigentums in die private Altersvorsorge merken, dass sich das nicht so einfach realisieren lässt. Teile der Politik sind dem Rat der Wohnungswirtschaft gefolgt und haben übersehen, dass von dort keine entsprechenden Angebote gemacht werden können. Ich habe den Eindruck, dass zunehmend hilfesuchende Blicke auf die BausparBranche gerichtet werden, ob wir nicht das Riester-Modell umzusetzen können.

Könnten sie denn?

Im Moment wollen wir an der Trennung von Wohneigentum und privater Altersvorsorge festhalten. Ich weiß auch gar nicht, ob uns die gesetzlichen Grundlagen dafür gegeben sind. Aber man muss natürlich schauen, dass die Sache zu Gunsten unserer Kunden weiter geht. Wir werden sicher nicht einen Konfrontationskurs zu Lasten unserer Kunden steuern.

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