Wirtschaft : In der Debatte verstrickt und die falsche Frage gestellt (Kommentar)

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Roland Issen bringt es auf den Punkt: Dem Chef der Angestellten-Gewerkschaft DAG schwant, dass die deutschen Gewerkschaften zu einem "Dinosaurier im zu Ende gehenden Industriezeitalter" verkommen werden, wenn die Gründung der Supergewerkschaft Verdi misslingt. Eine finstere Weissagung, gewiss. Doch genau danach sieht es jetzt aus. In einer Zeit, in der die großen deutschen Konzerne ihre Geschäftsfelder ausweiten und vollkommen verändern, in der sich kleine und große Unternehmen national und international verbünden, um kurz danach wieder auseinander zu gehen, um dann neue Allianzen zu schmieden - in einer Zeit also, in der sich sämtliche Strukturen der Wirtschaft verändern, reiben sich fünf monströse Gewerkschaftsblöcke an Struktur-, Personal- und Budgetdebatten auf. Verdi - die hoffnungsvolle Dienstleistungsgewerkschaft der Zukunft - bindet seit Jahren die Kräfte von tausenden Gewerkschaftern in endlosen Debatten um künftige Machtverhältnisse und Abstimmungsquoten. Verdi droht zur Selbstbeschau ihrer Funktionäre zu werden. Und die werkeln an organisatorischen Modellen, mit denen die tarifpolitische Kampfkultur der Vergangenheit auf Biegen und Brechen in die Zukunft gerettet werden soll. Nur eine Frage berührt offenbar kaum: Wird es in Zukunft überhaupt noch Arbeitnehmer geben, die ihre Interessen in einer solchen Dienstleistungsgewerkschaft namens Verdi gut aufgehoben und vertreten wissen? Schon jetzt verneint diese Frage beinahe jeder zehnte Beschäftigte in der Dienstleistungsbranche. Und die Tendenz steigt.

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