Wirtschaft : In Frankreich entsteht ein Bankenriese

PARIS (jod/HB/AP).Eine neue Großfusion hält den Bankensektor in Atem: Die französischen Geldhäuser Société Générale und Paribas wollen zum viertgrößten Geldinstitut der Welt fusionieren und greifen damit die Vormachtstellung der Deutschen Bank in Europa an.Der neue französische Bankriese, der SG Paribas heißen soll, ist zugleich mit einem Börsenwert von umgerechnet 41 Mrd.DM und zusammen 78 000 Mitarbeitern die größte Bank Frankreichs.Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac begrüßte den Schritt.

In Frankreich löst die neue SG Paribas die Genossenschaftsbank Crédit Agricole als größtes Institut des Landes ab.Die Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden steht noch aus.Über ihre französische Tochtergesellschaft AGF wird die Allianz Holding AG mit etwa vier Prozent des Kapitals und einem etwas höheren Anteil der Stimmrechte der größte Aktionär von SG Paribas, dicht gefolgt von der französischen Assekuranzgruppe AXA.4,56 Prozent der Anteile an der neuen Großbank sind in Besitz der Mitarbeiter.

Der überraschende Zusammenschluß, der im Wege eines Aktientauschs von acht Paribas- in fünf Société-Générale-Titel abgewickelt wird, stellt die erste Großfusion im seit Jahren restrukturierungsbedürftigen französischen Bankwesen dar.Paribas-Präsident André Lévy-Lang stellte zudem klar, daß SG Paribas "offen für weitere Partnerschaften und Kooperationen" sei.Der nächste Konzentrationsschritt in Frankreich wird mit der Privatisierung der Staatsbank Crédit Lyonnais erwartet.Sollte die Crédit Lyonnais auch noch dem neuen Bankriesen zugeschlagen werden, käme dies einem Umbau des französischen Bankbereichs gleich.

Geführt wird das neue Ensemble bis zum Jahr 2002 von Lévy-Lang.Société- Générale-Chef Daniel Bouton wird zunächst Vize-Präsident und löst Lévy-Lang dann an der Spitze von SG Paribas ab.

Die Fusionspartner sind trotz Überschneidungen im Privatkundengeschäft und im Investmentbanking recht komplementär.Die Société Générale hat als große Filialbank ihre Stärken im französischen Privat- und Firmenkundengeschäft, während Paribas weitgehend auf Investmentbanking und Industriebeteiligungen konzentriert ist.Die sechs Geschäftsbereiche der SG Paribas wurden so angelegt, daß sie für nationale wie europäische Allianzen und Partnerschaften offen sind.Schwerpunkt ist das klassische Bankgeschäft, wo die Einheit mit fünf Millionen Privatkunden (800 000 davon im Ausland) und 350 000 Firmenkunden einiges in die Waagschale zu werfen hat.Die Gründerväter sparten denn auch nicht mit Hinweisen auf die Bereitschaft, mit europäischen Partnern Allianzen zu prüfen.

Den einmaligen Fusionskosten von 1 Mrd.Euro steht Lévy-Lang und Bouton zufolge ein Einsparpotential von 800 Mill.Euro vom Jahr 2001 an gegenüber.Hinzu kommen zusätzliche Einnahmen von 115 Mrd.Euro pro Jahr.Darüber hinaus könne der Eigenkapitalbedarf im Investmentbanking um 1,2 Mrd.Euro gesenkt werden.Eine Zielgröße für die Mitarbeiterzahl - Ende 1998 beschäftigten beide Institute 78 000 Menschen- wurde nicht genannt.Zumindest in Frankreich, wo 55 Prozent der Mitarbeiter der neuen Großbank beschäftigt sind, soll es nach den Worten von Bouton und Levy-Lang als Folge der Fusion keine Entlassungen geben.Auch an den großen Finanzplätzen wie New York, London und Tokio müßten die Mitarbeiter nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten.Analysten hatten bereits zuvor erklärt, die Fusion sei sinnvoll, weil sie ohne größeren Stellenabbau vonstatten gehen könne.

Durch die Synergien glauben beide Partner, ihren Jahresgewinn in den kommenden drei Jahren um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr steigern zu können.Nach vorläufigen Zahlen für 1998 hat Paribas einen Reingewinn von 1,0 Mrd.Euro und die Société Générale von 1,1 Mrd.Euro erzielt.Mit 11,6 Prozent und 11,3 Prozent waren die Eigenkapitalrenditen vergleichbar.SG Paribas soll in den nächsten Jahren eine Eigenkapitalrendite von mindssetens 15 Prozent erwirtschaften.

Als "entscheidende Herausforderung" (Lévy-Lang) für den Erfolg des Zusammenwachsens gilt das Investmentbanking, in dem beide Partner 1998 wegen der Krisen in Rußland und Asien lediglich ausgeglichen abgeschlossen haben.Die Aktien der Fusionspartner, die bis gestern nachmittag an vom Börsenhandel ausgesetzt waren, reagierten unterschiedlich.Während die Papiere von Société Générale nachgaben, stieg die Paribas-Aktien kräftig an, was das für Paribas-Aktionäre günstige Tauschverhältnis widerspiegelt.

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