Wirtschaft : In Italien entsteht die zweitgrößte Bank Europas

Unicredit und Capitalia wollen fusionieren. Auch die Hypo-Vereinsbank gehört zum neuen Mega-Institut

Paul Kreiner

Rom - Wenn sich Alexander der Große mit einem Cäsaren verbündet, wenn sich Mailand mit Rom, also Italiens Finanzmetropole mit der Hauptstadt des Landes, zusammentut, dann kann dabei nur ein neues Großreich herauskommen. Oder die nach der britischen HSBC zweitgrößte Bank Europas. Gemeinsam bringen es die Mailänder Bank Unicredit unter Alessandro Profumo und die römische Capitalia unter Cesare Geronzi auf einen Börsenwert von 100 Milliarden Euro, 170 000 Beschäftigte und 40 Millionen Kunden.

Am Sonntag tagen die Verwaltungsräte der beiden Institute; sie sollen die Fusion formell beschließen, und Alessandro Profumo hat auf seinem beständigen Weg nach oben eine auf lange Sicht entscheidende Etappe gewonnen. Vor zwei Jahren hatte er sich die deutsche Hypo-Vereinsbank (HVB) einverleibt; seitdem wird er in der Branche „Alexander der Große“ genannt. Die Integration von italienischer und deutscher Kultur verlief schneller und reibungsärmer als erwartet, und das erste „richtige“ gemeinsame Jahr schloss die Bank vor wenigen Wochen mit einem Gewinn von 5,4 Milliarden Euro ab.

Die römische Capitalia ist eine Bank anderen Schlages. Die frühere Bank von Rom, inzwischen mit der Banca di Sicilia zu einem mittel-süditalienischen Institut vereint, untersteht dem schwer durchschaubaren Cesare Geronzi, der seine Finger immer schon ganz diskret in allen möglichen italienischen Geschäften hatte – bis hinein in die Skandalwelt des Spitzenfußballs. Gerichte haben den 72-jährigen Geronzi zweimal innerhalb von zwölf Monaten seines Präsidentenamtes enthoben, sie ahndeten damit seine Verwicklung in etliche dubiose Unternehmenspleiten; doch Geronzi hatte so starke Verbündete in Kapital und Politik hinter sich, dass er immer wieder zurückkehren konnte.

Geronzi bleibt auch in der neuen Bank mächtig. Für ihn ist angeblich ein Posten im Gespräch, der es ihm erlaubt, die Beteiligungen der neuen Großbank zu verwalten. Deren Chef soll aber Unicredit-Mann Profumo werden. Dieter Rampl, einst Boss der deutschen HVB, behält seinen Präsidententitel, der dem eines Aufsichtsratschef entspricht. Die Fusion als solche soll sich auf dem Weg des Aktientauschs vollziehen. Am Freitag trafen Profumo und Geronzi in Rom mit dem Präsidenten der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, zusammen, um über die anstehende Fusion zu sprechen. An der italienischen Börse wurden die Aktien der beiden Institute für den ganzen Tag vom Handel ausgesetzt.

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