Wirtschaft : In Pessimismus vereint

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Von Henrik Mortsiefer

Deutschland in Rezessionsstimmung: Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie seit fünf Jahren nicht, die Erwartungen der Unternehmen für das neue Jahr so pessimistisch wie zu Beginn der 90er, die Aktien fallen, der Aufschwung kommt nicht. Wo bleibt eigentlich das Positive? Glaubt man der alljährlichen Verbandsumfrage des IW, befindet sich die deutsche Wirtschaft am Rande des Abgrunds. Es wird gekürzt, gestrichen und entlassen. Allenfalls Ende 2003 könnte es wieder besser werden, glaubt die Mehrheit der Branchen – vom Autobau bis zum Zentralverband des Deutschen Handwerks. Eine Hoffnung mit vielen Unwägbarkeiten: So könnte ein Krieg am Golf das Öl teurer und den Dollar noch schwächer machen. Der deutsche Export fiele dann als Konjunkturstütze aus, die Arbeitslosigkeit würde weiter steigen. Und die Regierung? Verschiebt sie die Reform des Arbeitsmarktes und der Sozialsysteme um ein weiteres Jahr und wartet sie mit weiteren Steuerüberraschungen auf, verlässt die Unternehmer auch der letzte Mut. Aus einer Drohung würde Realität und Deutschland ein Abwanderungsstandort.

Doch so weit ist es noch nicht. Anlass zur Hoffnung geben vor allem jene Branchen, die früh merken, dass es bald wieder aufwärts geht: die Chiphersteller, die Computer und Telekomindustrie, die Chemie und der Stahlsektor. Selbst die Versicherer und die Werbewirtschaft sehen 2003 steigende Umsätze. Ein Aufschwung ist das noch nicht, schon gar keiner, der Arbeitsplätze schafft. Aber: Das Schreckensszenario des arbeitgebernahen IW ist ein bisschen sehr düster und die Ursachenforschung ein wenig zu politisch geraten. Die Wachstumssignale für 2003 mögen vage sein. Doch Rot-Grün ist nicht an allem schuld. Etwas mehr Aufbruchstimmung hätten sich die Verbandspessimisten schon erlauben können.

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