Wirtschaft : „In zehn Jahren ist die Sonne rentabel“

Solarworld-Chef Frank Asbeck über irrationale Aktienkurse, weniger Fördergelder und neue Arbeitsplätze

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Herr Asbeck, der Aktienkurs von Solarworld ist im vergangenen Jahr um 400 Prozent gestiegen. Wie lange werden solche Wachstumsraten anhalten?

Die Frage dürfen Sie mir nicht stellen. Ich kann meine Ergebnisse beeinflussen, aber nicht meinen Aktienkurs. Der baut auf vielen Irrationalitäten auf.

Es gibt also Irrationalitäten bei der aktuellen Entwicklung der Solarwerte?

Wir haben in den vergangenen Jahren eine hervorragende Performance hingegelegt. Meine Ambition ist es, das auch 2006 zu schaffen. Aber an den Aktienmärkten gibt es viele Player, die ich nicht beeinflussen kann.

In der Windbranche war der Optimismus anfangs auch sehr groß. Dann kam für viele Anleger der Absturz.

In der Windbranche kenne ich mich nicht aus. Ich kenne nur mein eigenes Geschäft. Und ich glaube, dass wir national und international weiter zulegen können. Insofern ist die Bewertung der Solarworldaktie nicht zu ambitioniert – wenn man das künftige Wachstum mit einschließt.

Immerhin ist Ihre Branche stark von der Politik abhängig. Wird die Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) geändert, könnte es mit dem Solarboom schnell vorbei sein.

Auch die Kohle hat anfangs eine industrielle Anschubfinanzierung gebraucht, von der Atomkraft ganz zu schweigen. Für uns gibt es das EEG erst seit vier Jahren. Meine persönliche Schätzung ist, dass Solarstrom in Deutschland nur noch zehn Jahre lang teurer sein wird als normaler Strom aus der Steckdose. In Kalifornien werden wir schon in sechs Jahren so weit sein.

Noch kostet Solarstrom aber rund 50 Cent je Kilowattstunde. Bei konventionellem Strom sind es gerade einmal fünf Cent.

Man muss aufpassen, was man miteinander vergleicht. Konventioneller Strom ist in der Erzeugung zwar billig, danach wird er aber wegen der Durchleitung durch die Netze teurer. Beim Verbraucher kommt er mit über 20 Cent je Kilowattstunde an. Solarstrom hingegen entsteht zu Hause auf dem Dach.

Im kommenden Jahr will die große Koalition das EEG neu anpassen. Mit welchen Einschnitten rechnen Sie?

Bisher wird die EEG-Vergütung jedes Jahr um fünf Prozent gekappt. Es kann sein, dass daraus in Zukunft sechs Prozent werden. Das wäre aber ein Signal in die falsche Richtung.

Kritiker bemängeln, dass 50 Prozent der in Deutschland verkauften Solarmodule aus dem Ausland stammen. Finanziert das EEG Arbeitsplätze in Japan und China?

Die Module machen nur einen Teil der Wertschöpfung aus. Damit Solaranlagen funktionieren, braucht man Wechselrichter – und die kommen aus Deutschland. Auch die Montageleistung wird vor Ort erbracht und schafft hier Arbeit. Natürlich bedauere ich jedes Modul, das aus dem Ausland kommt. Das würden wir gerne selbst machen.

Als wichtiges Argument für das Erneuerbare Energien Gesetz wird oft die Schaffung von Arbeitsplätzen genannt. Wie viele Stellen entstehen in den nächsten Jahren bei Solarworld?

Momentan haben wir 1300 Mitarbeiter. Schon bald werden wir die Grenze zu 2000 überschreiten, das dauert keine zwei Jahre mehr.

Welche Standorte betrifft das?

Vor allem Freiberg in Sachsen. Hier schaffen wir 500 neue Arbeitsplätze.

Das Umweltministerium erwartet bis 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix von 25 Prozent. Wie viel davon wird Solarstrom ausmachen? Heute sind es gerade einmal 0,5 Prozent.

Wir gehen für alle Erneuerbaren zusammen von 37 Prozent aus. Weil alle anderen Energieträger immer teurer werden, wird es von ganz alleine dazu kommen, das sind einfache Marktmechanismen. Die Sonne allerdings wird von diesen 37 Prozent noch nicht sehr viel ausmachen, insgesamt auf jeden Fall unter fünf Prozent. Wir können schließlich erst dann richtig mit dem Ausbau beginnen, wenn wir den Steckdosenpreis erreicht haben. Langfristig können es aber durchaus zehn, fünfzehn oder zwanzig Prozent sein.

Einige Ihrer Mitbewerber wie zum Beispiel Shell halten Dünnschicht-Zellen für die Technologie der Zukunft. Solarworld setzt auf die ältere Silizium-Technik. Warum?

Shell nennt die Dünnschicht-Technologie „interessant“ und „zukunftsweisend“ und will sie in einer „Testfabrik“ umsetzen. Wir werden diesen Weg nicht beschreiten. Schließlich müssen wir ein Produkt schaffen, das hinterher auch garantiefähig ist – für 20 oder 25 Jahre.

Dünnschicht hätte den Vorteil, dass man nicht auf Silizium angewiesen ist.

Aber auf was ist man dann angewiesen? Auf Indium – und das ist viel knapper. Meiner Meinung nach sollte man zum Bau von Solarzellen nur Silizium nutzen. 26 Prozent der Erdkruste sind aus diesem Rohstoff, er steht also so gut wie unbegrenzt zur Verfügung. Die Aufbereitungs-Kapazitäten sind zwar knapp, aber die werden gerade aufgerüstet.

Aus Mangel an Silizium können viele Solarhersteller ihre Produktion nicht voll hochfahren. Solarworld hingegen hat sich mit Silizium langfristig gut eingedeckt.Wie hoch ist Ihre Auslastung?

Wir fahren immer auf 100 Prozent.

Gilt das auch für die USA, wo Sie die Produktion von Shell übernehmen?

18 Monate nach der Übernahme werden wir auch die Shell-Fabriken voll auslasten. Heute liegt die Quote bei 30 Prozent.

Sie selbst halten rund ein Viertel der Anteile an Solarworld. Das Paket hat einen Wert von knapp einer Milliarde Euro. Kommen Sie nicht manchmal in Versuchung, die Aktien zu Geld zu machen?

Ich komme auch so ganz gut im Leben aus, ich bin ein bescheidener Mensch. Unter 25 Prozent werde ich nicht gehen.

Bisher wird Solarworld im Tec-Dax gehandelt. Wann steigen Sie in den Dax auf?

Dafür müssten wir im Anwärter-Ranking auf Platz 30 vorrücken, derzeit liegen wir ungefähr bei 36. Im Jahr 2010 wäre das vielleicht ein Thema.

Das Gespräch führte A. Waldermann

DER ÖKO

Frank Asbeck war Gründungsmitglied der Grünen. Allerdings hatte er schon 1987 genug von der Politik und zog sich aus dem aktiven Parteigeschäft zurück.

DER UNTERNEHMER

In Bonn machte Asbeck 1988 ein Ingenieurbüro auf und baute Blockheizkraftwerke. Zur Solarbranche kam er zwei Jahre später, als er die erste eigene Solaranlage verkaufte.

DER SONNENKÖNIG

Sein Unternehmen Solarworld brachte er 1999 an die Börse. Mit einem Marktwert von rund vier Milliarden Euro ist es heute die Nummer eins der Branche in Deutschland. Asbeck selbst wird der „Sonnenkönig von Bonn“ genannt. Tsp

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