Wirtschaft : Indiens Luxus für Europa

Die Kanzlerin übernachtete im Taj Mahal Palace in Bombay. Die Manager der Hotelkette sind weltweit auf Einkaufstour und haben auch Berlin im Blick

Goa - Fast könnte man ihn für einen späten Gast halten, wie Raymond Bickson da entspannt vor seinem leuchtendroten Cocktail im Fort Aguada Beach Resort an der Nordküste Goas sitzt. Doch er hat einen Tick zu viel an für die schwüle Hitze des Abends. Über T-Shirt, offenem weißen Hemd und schwarzem Sakko baumelt noch ein schwarzer Pulli von seinen Schultern – der Chef der indischen Luxushotelkette Taj kommt gerade aus einem StrategieMeeting mit Managern und Abteilungsleitern, das auch an diesem Ende der Welt gern in eisgekühlten Konferenzräumen abgehalten wird.

Der Mann mit dem dunklen Haar gebietet über die 77 Hotels der zum Tata-Konzern gehörenden Taj Hotels Resorts & Palaces. Auf ihrer Indienreise genoss vergangene Woche gerade erst Kanzlerin Angela Merkel in Delhi und Bombay das exklusive Ambiente der Nobelherbergen. In Bombay (Mumbai) machte sie im Mutterhaus The Taj Mahal Palace & Tower Station.

Der Firmenlegende nach baute der Industrielle Jamesitji Nusserwanji Tata sein erstes für alle offenes Premiumhotel bereits 1903. Es war seine Antwort darauf, dass er in einem „Europeansonly“-Haus in der Stadt abgewiesen worden war.

54 der Vier- und Fünfsternehäuser der Gruppe stehen bis heute in Indien (drei davon in Goa), auch die meisten anderen finden sich bisher rund um den Indischen Ozean. Nach Indien möchte Bickson ohnehin viel mehr Gäste locken. Doch der gebürtige Hawaiianer, der mit seinem Teint fast als Inder durchgehen könnte, hat sich auch vorgenommen, die Marke zu globalisieren.

Vor drei Jahren hat er die Führung der Hotels übernommen, und wenn es nach ihm ginge, wäre Taj das Synonym für Luxus. Luxus für Freizeit wie Business – überall verbunden mit aufwendigen Spas. Der Wellnessbereich ist für den 52-Jährigen „weltweit eine 14-Milliarden-Dollar-Industrie“. Daran will er kräftig mitverdienen. „Wir fahren nach Bali, Malaysia oder Thailand und machen die besten Spa-Erfahrungen – der Ursprung all dieser Anwendungen liegt aber in Indien“, fasste Bickson jüngst seine Überlegungen zusammen. Nach seinen Berechnungen lassen sich mit Spas bis 15 Prozent der Einkünfte eines Hotels erzielen.

In diesen Tagen hat die börsennotierte Hotelgruppe Quartalszahlen veröffentlicht: Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 14 Prozent auf umgerechnet rund 64,4 Millionen Euro, der Gewinn nach Steuern um 16 Prozent auf 9,3 Millionen. Beim Halbjahresgewinn ging es im Vergleich um 27 Prozent nach oben (19 Millionen Euro). Die Gesamteinnahmen des Geschäftsjahres 2006/07 beliefen sich auf 284 Millionen Euro.

Bicksons Credo: Wer zu sehr auf einem Markt zu Hause ist, ist zu anfällig für Schwankungen. „Wir können nicht nur ein großer regionaler Player bleiben, wenn wir im nächsten Jahrhundert überleben wollen“, sagt er.

Deshalb soll die Luxuskette auch in China, Amerika und Europa wachsen. Und zwar an den besten Adressen. In seinem Heimatland Amerika hat Taj bereits das Mutterhaus der Ritz Carlton Hotels in Boston übernommen, in New York gehört das Pierre zum Portfolio, in San Francisco kaufte seine Gruppe für 58 Millionen Dollar das ehrwürdige Campton Place. In Europa ist bisher London wegen der engen Verbindungen Indiens nach Großbritannien erste Anlaufadresse. Im Suitenhotel 51 Buckingham Gate hat jeder Gast seinen privaten Butler.

Wie er da so sitzt, könnte man sich gut vorstellen, dass Bickson seine Fühler bald auch nach Deutschland ausstreckt. Vielleicht sogar nach Berlin. Schließlich hat Bickson hier 1973 seine Karriere begonnen. Als Kochlehrling im Hilton. „Mein Vater meinte, ich sollte das Geschäft von ganz unten lernen“, erzählt er – auf Deutsch. Der Vater, das war der Mitbegründer der Budget-Autovermietung. Der Sohn Raymond aber fand das Hotelfach „sexier“.

Inzwischen hat der Sohn, eins von sieben Kindern, viele Topadressen des Hotelbusiness angesteuert: Er besuchte die Hotelschule in Lausanne und hat anschließend auf vier Kontinenten gearbeitet. In Europa war er unter anderem im Hotel Plaza Athenée in Paris und im Schweizer Montreux Palace tätig. 15 Jahre war er Manager im The Mark an New Yorks Upper East Side, wo auch Ratan Tata öfter zu Gast war und ihn kennenlernte. Bickson studierte an der Sorbonne in Paris, der Harvard Business School und der Cornell University in New York. 2000 wählte ihn Gallivanter’s Guide zum besten Hotelier der Welt. Bei Taj ist er zum ersten Mal als Manager einer Hotelkette tätig.

Und obwohl er heute vor allem als Pendler zwischen Indien und USA unterwegs ist, kennt sich der Mann mit der optimistischen Ausstrahlung bei den Berliner Topadressen recht gut aus. Wenn er hier ein Hotel kaufen würde, dann das Adlon. Nur das sei ja leider nicht zu haben, bedauert er. Auch das Schlosshotel im Grunewald ist ihm ein Begriff. Aber wohl doch zu klein und wenig geeignet für seine Ambitionen, Taj als internationale Marke zu etablieren.

Bicksons Strategie sieht anders aus. Er will Luxus im großen Stil, nur Nischen oder gar nur Komfort, das reicht ihm nicht.

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