Wirtschaft : Indonesien auf Konfrontationskurs mit IWF

DANIEL KESTENHOLZ

Rupiah verliert erneut dramatisch an Wert / Ausländer verlassen das Land / Asiatische Börsen unter DruckVON DANIEL KESTENHOLZ JAKARTA/BANGKOK.Die Eskalation der sozialen Unruhen in Indonesien und die fortgesetzte Kontroverse zwischen Präsident Suharto und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Frage eines Currency Board haben am Montag an den südostasiatischen Devisen- und Aktienmärkten erneut zu starken Kurseinbrüchen geführt.Einen Schwächeanfall erlitt die Rupiah, die erneut unter die Marke von 10 000 pro US-Dollar fiel und bei 9750 schloß. Die indonesische Rupiah, der Thai-Baht, der malaysische Ringgit, der philippinische Peso und auch der vergleichsweise immer noch robuste Singapore-Dollar notierten am Montagabend am Singapurer Devisenmarkt schwächer als am vergangenen Freitag. Mit den Währungen fielen die Aktienkurse.Eine Ausnahme machte die Börse in Jakarta.Zu den stärksten Kurseinbrüchen kam es in Kuala Lumpur (- 2,7 Prozent), Bangkok (- 3 Prozent) und Singapur (- 4,3 Prozent).In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index 1,5 Prozent oder 150 auf 10 124 Punkte.Die Erholung, zu der es pünktlich zu Beginn des in Ostasien gefeierten neuen Mondjahres - des "Jahrs des Tigers" - vor zwei Wochen gekommen war, erwies sich als kurzlebig. Auslöser der erneuten Instabilität von Währungen und Finanzmärkten ist die fortgesetzte Kraftprobe zwischen Präsident Suharto und dem IWF über die Anbindung der Rupiah an die US-Valuta bei einem Wechselkurs von 5500 pro Dollar.Nachdem Michel Camedessus, der Geschäftsführende IWF-Direktor, Jakarta androhte, falls Indonesien an diesen Plänen festhalte und ein Currency Board schaffe, werde der Fonds dem Land die weitere Kredithilfe entziehen, gibt es keine Anzeichen, daß Suharto nachgibt.Die Kontroverse könnte sich noch tagelang hinziehen und zu einer gefährlichen Verschärfung der Krise führen. Am Montag traf in Jakarta eine japanische Delegation ein, die den Druck auf Suharto verstärken soll.Von Nippon erhält Indonesien mehr Entwicklungshilfe als von jedem anderen Land. Einen so schweren Krach zwischen dem IWF und einem auf Kredithilfe angewiesenen Land habe es überhaupt noch nie gegeben, sagen Ökonomen führender Auslandbanken in Singaur.Die Frage ist, ob Suharto einen Zusammenprall mit dem IWF riskiert und den Entzug der Hilfe in Kauf nimmt, was eigentlich kaum vorstellbar ist.Lenkt er jedoch ein, und sieht er von einem Currency Board ab, von dem auch unabhängigere Experten sagen, daß es angesichts des außerordentlich schwachen Bankensystems und der politischen Manipulierbarkeit der Währungsbehörden in Indonesien schlicht nicht funktionieren würde, dann nimmt der soziale Druck auf ihn zu. Die gegen das Regime gerichteten Protestkundgebungen, Plünderungen und Handgreiflichkeiten gegen die wirtschaftlich dominierende, chinastämmige Minderheit, zu denen es in den letzten Tagen in mehreren Städten des Landes gekommen ist, gehören zu den schwersten, die Indonesien seit dem Machtantritt Suhartos vor 32 Jahren erlebt hat. In Moscheen verteilen die Behörden Reis, Öl und Zucker, und Straßensperren kontrollieren die Zufahrtsstrassen nach Jakarta, Indonesiens Hauptstadt, wo 35 000 Soldaten und Polizisten den Scheinfrieden sichern.Am Freitag sind zwei Autostunden außerhalb Jakartas blutige Plünderungen ausgebrochen. Noch am Montag stiegen Rauchschwaden aus verkohlten Hausgerippen auf.Nervöse Truppen patrouillierten in Kampfmontur durch die Strassen, während Anwohner den Schutt aufräumten.Fünf Menschen sind seit Freitag auf dem Archipel in Gewalttaten gestorben, zehn Kirchen wurden in Brand gesteckt und Dutzende von Läden, Hotels und Eigenheimen geplündert.Opfer waren meist ethnische Chinesen.Die Häuser von Muslimen, unter deren Giebel das Wort "Muslim" gemalt worden war, blieben verschont, während in Jakarta die Angst wächst, daß der Gewaltfunke auf die Hauptstadt überspringt. Noch beschränkt sich die Unruheserie auf kleine Orte, wo das Volk seine Wut über gestiegene Preise gemeinhin an ethnischen Chinesen ausläßt, die den Einzelhandel kontrollieren und als reich gelten.Doch auch Muslime bangen um ihre Läden.Bislang sicherten Schmiergelder Leib und Leben von bedrohten Reichen. Der wirtschaftliche Niedergang Indonesiens hat auch einen Massenexodus von "Expats", Ausländern, ausgelöst.Heute taumelt die Rupiah um die 10 000er Grenze, was für in Devisen bezahlten Ausländer noch immer Sonderpreise bedeutet, verglichen mit dem Rupiahkurs von 2300 im vergangenen Juli.Doch mit den steigenden Lebensmittelpreisen - Reis kostet derzeit das Dreifache wie vor einem halben Jahr - wächst der Volkszorn gegen Ausländer, deren Dollars angeblich das Land zerstören.KARL KRÄNZLE /

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